Er sagt nicht „Ich liebe dich“

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Du denkst womöglich seit einiger Zeit: „Er sagt nicht ICH LIEBE DICH zu mir! Doch warum nicht?! Was mache ich falsch?

Zuerst einmal können wir dich beruhigen. Jeder braucht seine Zeit. Der Eine mehr, der Andere weniger. Auch du wirst im ersten Gespräch mit deinem Schwarm wahrscheinlich nicht sofort die 3 goldenen Worte gesagt haben, nicht wahr?

Doch ist das Nichtgesagte es Wert, deinem Partner mit Trennung zu drohen oder ihn tatsächlich zu verlassen?

Zu lieben ist mehr als ein einfacher Satz

Natürlich ist es schön zu hören, dass dein Lebensgefährte oder Ehemann dich liebt. Doch ob er Gefühle für dich hegt, bemisst sich nicht nur in dem, was er verbal ausdrückt. In zahlreichen Situationen des gemeinsamen Alltags kannst du viel besser erkennen, was er für dich empfindet – und erst recht in Momenten, die einen besonderen Zusammenhalt erfordern. Diese Augenblicke und Handlungen sollten der eigentliche Gradmesser für Eure Beziehung sein. Sie sagen mehr über den Menschen an deiner Seite aus als romantische Sätze es je könnten.

Andererseits fragst du dich vielleicht, warum dein Freund nicht einfach ausspricht, was er fühlt und stellst sein Verhältnis zu dir in Frage. Möglicherweise denkst du auch, dass es doch nicht so schwer sein kann, diesen einfach strukturierten Satz zu formulieren. Doch bei den berühmten drei Worten handelt es sich eben nicht um ein x-beliebiges Gefüge. Die unscheinbar wirkende Verbindung aus Pronomen und Verb ist ebenso komplex wie die Liebe selbst und vermittelt sehr viel mehr als es auf den ersten Blick scheint.

Gehe mit uns kurz in die Theorie. Rein wissenschaftlich betrachtet handelt es sich bei der Liebesformel um eine sogenannte Sprechhandlung – also eine Tat, die durch das Gesagte bereits geschieht. Geläufige Beispiele für diesen Typ Aussage sind Sätze wie „Ich warne dich!“ oder „Ich schwöre!„. Sie machen deutlich, was hinter dem schlicht scheinenden Liebesgeständnis steckt: Es ist Feststellung und Vertrauensbeweis in Einem; zugleich aber auch ein kleines Versprechen, denn Liebe ist keine kurzfristige Erscheinung. Sie kommt und geht nicht unvermittelt; sondern keimt und verschwindet allmählich. Die Erkenntnis, dass sie da ist oder fehlt, erfordert Zeit.

Liebeserklärungen als Reifeprozess

Die Liebeserklärung als Reifeprozess

Unzählige Filme und zahlreiche Gedichte oder Lieder erzeugen den Eindruck, dass es buchstäblich knallt, wenn Liebende sich finden. Doch obwohl es solche Begegnungen wirklich gibt, sind sie viel seltener als es deine romantische Vorstellung will. Im realen Leben wächst das Gefühl zu lieben, nur langsam. Es gleicht einem Prozess, der bei jedem Menschen individuell verläuft und der ein jeweils eigenes Tempo hat. Was dem einen innerhalb weniger Wochen klar ist, reift bei einem anderen über Monate oder auch Jahre.

Vor allem dann, wenn es in der letzten großen Beziehung Probleme gab, sie ein schlimmes Ende gefunden hat oder noch nicht allzu lange her ist, kann ein erneutes Liebesgeständnis schwerfallen. Wenn du merkst, dass es deinem Partner schwerfällt, sein Herz zu öffnen bzw. auf die Zunge zu legen, solltest du dich in Geduld üben und warten, bis er sich seiner Gefühle zu dir bewusstwird.

Ein „Ich liebe dich!“ braucht den richtigen Rahmen

Doch auch, wenn dein Lebensgefährte sich seiner Empfindung sicher ist, können die „bekanntesten 3 Worte“ auf sich warten lassen – ganz einfach, weil er (noch) nicht den passenden Moment gefunden hat. Denn letztlich geht es ihm wie dir selbst: Er weiß vielleicht nicht, wie du zu ihm stehst und wie du sein Geständnis wertest. Aus Angst, dich in eine unangenehme Situation zu bringen, schweigt er lieber oder wartet noch einen Augenblick länger.

Manchen Mann hält aber auch die scheinbare Erwartungshaltung von den ersehnten Worten ab. Große Gefühle zwischen Umzugskisten oder über einen Haufen Dreckwäsche hinweg zu gestehen, ist nun mal nicht romantisch. Doch gerade, wenn die Liebeserklärung in solchen Momenten kommt, ist sie besonders ehrlich. Wahre Liebe braucht kein Publikum, keine roten Rosen und keine Außenwirkung. Sie offenbart sich überall dort, wo ihr euch wohl fühlt und glücklich seid – ganz gleich, ob ihr euch gerade auf einem Waldspaziergang befindet oder beim Candle-Light-Dinner sitzt.

Liebes- oder Absichtserklärung?

Nicht zuletzt ist der süße Drei-Wort-Satz „Ich lieb dich!“ sogar mit einer gewissen Forderung verbunden. Wer sich per Liebeserklärung öffnet, erwartet vom Angesprochenen eine Reaktion. Wie genau sie ausfallen soll, ist Typ-abhängig und verrät sehr viel über das Wesen des „Geständigen„. Für gewöhnlich folgen die Beweggründe, Liebesworte zu formulieren, der Persönlichkeitsstruktur.

Da die Erwiderung auf Liebesworte für deinen Partner jedoch nicht vorhersehbar ist, hält er vielleicht seine Bekundung zurück. Antworten wie „Ich weiß!“ oder „Schön!“ bzw. Nachfragen wie „Warum?“ oder „Sicher?“ erzeugen bei dir wahrscheinlich Unbehagen. Das wiederum beweist, dass du den tieferen Sinn eines Liebesgeständnisses nicht erfasst hast. Es soll schließlich nicht deinen eigenen Interessen dienen, sondern dich über einen Umstand informieren und im besten Falle glücklich machen.

Der treibende Part bei der Liebeserklärung

Statistisch gesehen hast du gute Chancen, das Liebesgeständnis zu hören: Umfragen zu Folge nutzen eher Männer als Frauen die großen Worte. Etwas mehr als 20 Prozent bekennen sich sogar schon nach sieben Tagen; rund 40 Prozent nach vier Wochen. Lediglich ein Viertel aller Herren wartet länger als drei Monate und nur wenige noch länger.

Warum sich die meisten im Beteuern ihrer Liebe so beeilen, haben Wissenschaftler ebenfalls erforscht – und wie so oft liegt die Antwort in grauer Vorzeit: Aus biologischer Sicht sind verpasste Chancen für Männer eine Katastrophe. Daher müss(t)en sie jede potenzielle Partnerin / Mutter zukünftiger Kinder halten. Ist dein Freund von der langsamen Sorte, könntest du also eigentlich stolz sein – denn gedrosseltes Tempo zeugt von großem Vertrauen in seine Wahl, sprich: DICH!

Ist die Liebeserklärung Männersache?

Können Männer also mal wieder alles nur falsch machen? Sind sie als schnelle Bekenner triebgesteuert und als Wahrnehmer günstiger Momente per se unromantisch? Halten sie sich deswegen so gerne zurück mit dem berühmten Satz? Nein – vermutlich spüren sie instinktiv, was Evolutionsbiologen und -psychologen ebenfalls herausgearbeitet haben:

Dass du so sehnsüchtig auf eine Liebeserklärung wartest, hat den einfachen Grund, dass du Sicherheit brauchst. Auf den falschen Partner zu setzen, war seinerzeit mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Die weiblichen Mitglieder der Gesellschaft waren stets auf einen Mann mit „lauteren Absichten“ angewiesen. Dieses schwere Erbe hallt bis heute nach und macht das Liebesbekenntnis aus femininer Sicht unabdingbar.

Frauen können ihre Gefühle besser ausdrücken

Frauenpower in Liebesdingen

Im Gegensatz dazu sprechen sich nur etwas mehr als 60 Prozent der Frauen für ihre Gefühle aus. Rund die Hälfte davon immerhin während des ersten halben Jahres; zirka 30 Prozent jedoch erst später. Nicht weniger überraschend als dieser statistische Wert ist, WIE sie es machen: Viele liebende Damen fassen ihre Emotion lieber in Taten als sie mit Worten zu verdeutlichen. Anders gesagt: Frauen äußern sich bevorzugt nonverbal und zeigen Ihre Empfindung überwiegend durch Gesten, kleine Aufmerksamkeiten oder Sex.

Hat dich diese Info „erwischt„, weil du zum kleineren Teil der betreffenden Gruppe gehörst? Dann wirst du Verständnis haben, dass dein Freund sich verbal ebenfalls (noch) zurückhält. Anderenfalls heißt es: Mut beweisen! Wie du nun weißt, ist jede Liebesbekundung ein Risiko. Es einzugehen könnte genauso gut DEIN Part im Paar-Lauf sein. Sag dem Mann, den du so toll findest, doch einfach selbst, dass du ihn liebst – vorausgesetzt, es stimmt und du erwartest keine bestimmte Antwort darauf. Nochmal langsam: Ohne Erwartungen! Lieben ist eine Sache, die mehr mit dem Geben als dem Nehmen zu tun hat. Also gib Liebe, Vertrauen und Zeit, ohne zu hoffen, dass dein Geliebter dir das Gleiche sofort zurückgeben kann.

Die Angst, dass es deswegen zur Trennung kommt, ist emotional zwar verständlich; meist jedoch rational unbegründet. Im Gegenteil: Dein Partner wird dich umso mehr schätzen und lieben, wenn du zu deinen Emotionen und Gefühlen stehen kannst. Denn das wird ihm die Kraft geben, dass er Gleiches tun kann.

Fassen wir zusammen

Unsere Tipps für dich lauten:
Schau, ob du seine Liebe anders spüren kannst, steh zu deinen eigenen Gefühlen & schraube deine Erwartungen herunter. Somit könnt ihr eure Beziehung ohne Druck und mit viel Liebe aufbauen. Und vielleicht sagt zu deiner Überraschung schon bald „Ich liebe dich auch!“ zurück.

Er sagt nicht „Ich liebe dich“
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