Ein drittes Date – Vom (Un)Sinn einer vermeintlich feststehenden Regel

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Nach dem zweiten Date kommt in der Regel das dritte. Und jetzt wird es wichtig!
Wenn du regelmäßig fernsiehst oder ins Kino gehst, weißt du es wahrscheinlich längst: US-amerikanische Serien oder Filme vermitteln die eiserne Regel, dass es erst ab dem dritten Treffen Sex zwischen Dating-Partnern geben darf.

Doch was ist dran an diesem ungeschriebenen Gesetz? Wird es in seinem Mutterland tatsächlich so ernst genommen? Gilt die Vorschrift des dreimaligen Datings auch hierzulande? Und welche Handlungsweisen leiten sich daraus ab? Um dir das zu erläutern, haben wir ein interessantes Experiment gewagt.

Das dritte Date – ein cineastischer Mythos?

Nachdem wir beschlossen hatten, die Existenz und Gültigkeit der Drei-Dates-Regel für dich zu prüfen, fehlte uns ein geeignetes Mittel. Sie wird in keinem Lexikon erklärt und durch keine Studien untermauert. Außerdem wussten wir nicht, ob sie ein ähnlich unerklärliches Film-Phänomen ist wie die Tatsachen, dass US-Amerikaner/-innen

  • Tag und Nacht ihre Wohnung beleuchten,
  • nach dem Sex noch Unterwäsche tragen,
  • sogar in den eigenen vier Wänden niemals nackt sind,
  • immer am Couchtisch essen,
  • nie selber kochen, sondern stets liefern lassen.

Mit anderen Worten: Wir fanden keinen Hinweis darauf, dass es die Drei-Treffen-Regel wirklich gibt – geschweige denn einen Anhaltspunkt dafür, wie ernst US-Bürger/-innen sie nehmen. Doch so viele Serien und Filme können nicht irren! Irgendwo musste es eine Möglichkeit geben, dem Mythos um dritte Dates nachzugehen.

Anschauungsbeispiel par excellence

Fündig wurden wir ausgerechnet dort, wo statt Gefühlen der Verstand regiert: In der US-Sitcom The Big Bang Theory wird das Thema „Dating so oft angeschnitten, dass wir nicht umhinkamen, sie als Beweis für die (Nicht-) Existenz des Dating-Gesetzes anzusehen. Das meinen wir durchaus wörtlich – denn eigens für dich haben wir eine Mammut-Sitzung eingelegt und die preisgekrönte Serie auf Herz, Nieren und die Einhaltung von Dating-Regeln getestet.

Ob du The Big Bang Theory kennst oder nicht, spielt für das Verständnis unseres Textes keine Rolle. Das Geschehen um die hochtalentierten, aber sozial inkompetenten WG-Partner Sheldon und Lennard sowie ihre Freunde und ihre süße Nachbarin dient uns lediglich als Anschauungsbeispiel für die (Un-)Gültigkeit eines hartnäckigen Klischees.

Den Serien-Schöpfern scheint das Be- oder Widerlegen der Dritte-Treffen-Regel genauso wichtig zu sein wie uns. Immer wieder inszenieren sie Situationen, die das ungeschriebene Dating-Gesetz thematisieren und den Zuschauer/-innen aufzeigen, welche Konsequenzen daraus erwachsen. Denn sowohl das Einhalten als auch das Missachten der Drei-Dates-Regel kann ungeahnte Folgen haben. Inwiefern diese Behauptung zutrifft, erfährst du im Folgenden:

Sie hat ein Date

Pro Dating-Gesetz: Das Gesicht hinter der Maske

Keine der Serien-Figuren nimmt es mit der Vorschrift so genau wie Bernadette. Obwohl sie den dauer-rolligen Howard sofort will, hält sie ihn bis zum dritten Treffen hin. Dann aber eröffnet sie ihm durch nur ein Wort, was sie erwartet: „Sex!„. Zugleich stellt sie ihr Gegenüber vor die Wahl, es bei einem One-Night-Stand zu belassen oder eine Beziehung einzugehen.

Howard mangelt es nicht nur an einer passenden Antwort, sondern auch am Mumm sich zu positionieren. Er zieht Cyber-Erotik mit einer Role-Play-Game-Partnerin vor – und wird prompt von Bernadette verlassen, denn das resolute Persönchen weiß genau, was sie will.

Sie hat ihr Date gut beobachtet und so viel Gefallen an ihm gefunden, dass sie sich Howard als dauerhaften Partner vorstellen kann. Doch sie hat auch erkannt, dass er wankelmütig ist und vor einer festen Beziehung zurückscheut. Um sicher zu gehen, dass sie sich nicht irrt, fordert sie ihn zu einer klaren Ansage auf und lässt ihm trotzdem alle Entscheidungsmöglichkeiten.

Fazit: Dein Ziel bestimmt den Weg

Nicht-Kennern der Serie sei verraten, dass Howard sich von Bernadettes Geradlinigkeit überzeugen lässt und anfängt, sich ernsthaft um sie zu bemühen. Im Laufe weiterer Folgen heiraten die beiden und werden Eltern. DIR soll es deutlich machen, dass mehrere Dates helfen, einen Menschen besser kennen und einschätzen zu lernen. Das ist besonders wichtig, wenn du bereits nach dem ersten Treffen „hin und weg“ bist und dir dein Gegenüber zum Partner wünschst.

Doch auch in den USA geht es beim Dating nicht immer nur um das Anbahnen fester Beziehungen. Dass zwei- bis dreimalige Treffen häufig thematisiert werden, hat vorrangig pädagogischen Charakter. Die ständigen Verweise auf ein drittes Date sollen jugendliche Zuschauer/-innen davon abhalten, sich allzu oft und unüberlegt in erotische Abenteuer zu stürzen.

Contra Dating-Gesetz: Verlangen kennt kein Mindestmaß

Ihren Fans trauen die Big Bang-Macher zu, das auch ohne „Holzhammermethode“ zu verstehen. Über die Dauer der mittlerweile 11 Staffeln verspürten fast alle Figuren schon einmal plötzliches Verlangen nach dem anderen Geschlecht. Immer aber gerieten die daraus resultierenden One-Night-Stands zum Desaster.

Über kurz oder lang mussten die Protagonisten erkennen, dass aus Spontan-Sex nur selten ehrliche oder gar dauerhafte Liebe erwächst. Ganz gleich, ob sie sich einem längst abgelegten Boy-Friend, einer Kollegin, einer freizügigen Touristin oder einer Party-Bekanntschaft hingaben: Nie war die Beziehung von Dauer; geschweige denn von partnerschaftlichem Verständnis geprägt.

Mit dieser Darstellung verurteilen die Produzenten den „vorzeitigen“ Sex zwar nicht – machen aber deutlich, dass es bei langsamer Herangehensweise weniger Probleme geben würde. Darüber hinaus kehren Chuck Lorre und Bill Prady die Regel um ein drittes Treffen häufig ins Gegenteil um:

Die meisten Big Bang-Figuren merken im Laufe weiterer Rendezvous, wo genau es bei ihren neuen Bekanntschaften hakt und trennen sich wieder – ironischerweise stets beim dritten Date oder nach dem dritten nervenaufreibenden Zwischenfall.

Was erwarten Männer & Frauen beim Daten

Fazit: Bauch schlägt Kopf

Was wir dir damit sagen wollen, hast du vielleicht bereits erkannt: Trifft dich das körperliche Verlangen wie ein Blitz, musst du die begehrte Person nicht zwingend ein drittes Mal daten. Bei einigen Menschen steht sogar ziemlich rasch fest, dass sie bestimmt tolle Liebhaber/-innen sind; für Beziehungen aber ganz und gar nicht taugen. Dann wäre jedes Zögern oder jedes weitere Treffen Quatsch!

Wie du diese Aussage deutest, hängt ganz von dir ab: Hast du Lust, dich deinem Date spontan hinzugeben und spürst du dieses Verlangen auch auf der Gegenseite? Dann zögere nicht, pfeif auf die Dritte-Treffen-Regel und hab Spaß!

Suchst du hingegen einen verlässlichen Partner, der mit dir durch Dick und Dünn geht, solltest du dieses Bedürfnis zügeln – denn auch, wenn es Ausnahmen gibt: Spontan-Sex ist nicht unbedingt ein guter Grundstein für eine vertrauensvolle Beziehung!

Zu groß ist die Gefahr, dass dein Gegenüber dich falsch einschätzt, weil er glaubt, du seist immer und für jeden „leicht zu haben„. Umgekehrt wirken viele Menschen beim ersten Treffen überdurchschnittlich charmant und verständnisvoll; entpuppen sich bei „näherer Betrachtung“ jedoch als pedantisch und desinteressiert oder sind in sonstiger Weise beziehungsuntauglich.

Über das dritte Date hinaus: Wie viele Treffen sind genug?

Und was ist, wenn du die gedatete Person interessant findest – aber trotzdem noch keinen Sex mit ihr möchtest? Dann hat das wahrscheinlich ganz individuelle Gründe, von denen du allein weißt, in welchem Maß sie zutreffen. Nur eines ist sicher: Das dritte Rendezvous ist weder ein Freibrief, Sex einzufordern noch eine Verpflichtung, sich körperlich hinzugeben.

Ob du nach dem dritten Treffen mit deinem Dating-Partner intim wirst, entscheidest du nach persönlichem Verlangen – und nicht, weil eine Regel es so besagt oder das Umfeld es so erwartet.

Selbstverständlich haben wir auch für diesen Fall ein Anschauungs-Beispiel aus dem Big Bang-Kosmos zu bieten: Mit Sheldon und Amy – kurz „Shamy“ – hat das Drehbuch-Team ein Parade-Pärchen für die asexuelle Beziehung geschaffen.

Gleichwohl sie einander zugetan sind und ohne einander nicht sein können, haben sie vom Zeitpunkt ihres Kennenlernens bis Mitte der 8. Staffel keinen Sex. Nach dem ersten, immerhin noch persönlichen Treffen kommunizieren sie zunächst nur via Telefon, SMS oder Chat.

Erst als ihre Freunde dafür sorgen, dass sie nochmal ein „livehaftiges“ Date haben, begegnen sie sich fortan regelmäßig. Über hochgeistige Gespräche kommen sie dabei nicht hinaus. Amy versucht zwar immer mal wieder, ihren Freund „herumzukriegen“ – tut das jedoch so ungeschickt, dass sich jeder Zuschauer wünscht, Sheldon möge bitte standhaft bleiben.

Dass das ungleiche Verlangen nicht zur Groteske gerät, verdankt „Shamy“ einer Reihe anderer Gemeinsamkeiten. Die Macher der Serie zeichnen sie als Paar, das auch abseits gesellschaftlich erwarteter Konventionen funktioniert. Sie praktizieren Sex nicht, weil einer von beiden es unbedingt will oder weil es zur Liebe „dazugehört“ – sondern weil sie irgendwann den richtigen Zeitpunkt dafür finden.

Fazit: Das „Wir“ entscheidet

Zur Krönung dieser Selbstbestimmtheit belohnen die Autoren Sheldon und Amy mit einem besonders erfüllenden Sexual-Leben: Während es zwischen den anderen Serien-Paaren immer wieder zu Reibereien bezüglich der Dauer, Häufigkeit oder Gestaltung des Liebesaktes kommt, beteiligen sich „Shamy“ an solchen Querelen stets nur mit vielsagendem Lächeln.

Du musst dir zwar kein Beispiel an der jahrelangen sexuellen Abstinenz des Paares nehmen – kannst dir diesen Extremfall aber dennoch zum Vorbild machen: Brauchst du mehr als drei Dates, um dich jemandem zu öffnen oder ihm vollkommen zu vertrauen, ist das okay – weil es Teil deiner Persönlichkeit ist und von einem zukünftigen Partner akzeptiert werden sollte.

Allerdings musst du dir im Klaren sein, dass du keine künstlichen Verzögerungen herbeiführen darfst. Das wäre nicht nur unfair, sondern liefert auch ein völlig falsches Bild von dir. Darüber hinaus trägt es nichts dazu bei, die Haltbarkeit einer Beziehung zu erhöhen – denn die gründet auf Vertrauen und Ehrlichkeit, nicht auf inszenierten Eigenheiten.

Regeln beim Daten

Drittes Date Zusammenfassung: Keine Regel ohne Ausnahme

Wahrscheinlich hast du es schon gemerkt: Ob es die berühmt-berüchtigte Drei-Dates-Regel wirklich gibt, ist im Grunde genommen egal – denn das Aufeinandertreffen zweier Menschen folgt keiner Gesetzmäßigkeit. Es hängt von vielen kleinen Aspekten ab, dass es nahezu lächerlich ist, es an einer Zahl festmachen zu wollen.

Ob du dich ein zweites, drittes oder wiederholtes Mal mit einer Person treffen musst, um dir ihrer sicher zu sein, wird von zahlreichen Faktoren bestimmt. Neben

  • Sympathie,
  • gemeinsamen Interessen,
  • ähnlichen Ansichten,

spielen auch

  • die Begleitumstände,
  • deine aktuelle Lebenssituation,
  • momentane Stimmung,
  • persönlichen Erfahrungen,

sowie

  • die gesamte Erscheinung und
  • das Auftreten

deines Gegenübers eine Rolle. Nicht die Anzahl absolvierter Dates entscheidet, ob du dich zu einem Menschen hingezogen fühlst und vielleicht mehr daraus wird – sondern die Summe der oben genannten Einzelheiten. Oder doch eher der Mittelwert? Die Schnittmenge? Die prozentuale Wahrscheinlichkeit? Verdammt – wir hätten beim Gucken von The Big Bang Theory noch besser aufpassen sollen.

Ein drittes Date – Vom (Un)Sinn einer vermeintlich feststehenden Regel
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1 Kommentar

  1. Alexandra on

    Ich habe schon einige eurer Texte gelesen und finde diesen allerdings am hilfreichsten! Macht bitte genau so weiter!