Dein Freund zieht sich zurück. Was kannst du tun?

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Mein Freund zieht sich zurück…

Vielleicht kennst du das: Keine Partnerschaft verläuft zu 100 % harmonisch – was dazu führen kann, dass der Freund sich früher oder später aus dem gemeinsamen Zusammenleben zurückziehen könnte. Frauen schaffen das selbstverständlich auch, wir legen unseren Fokus jedoch heute auf die Männerwelt.

Aber was tun: darauf eingehen, ihm seinen Freiraum lassen, das Gespräch suchen, das Gespräch vermeiden? Wie auch immer die Antwort ausfällt: Er wird wahrscheinlich wiederkommen, wenn es beide(!) richtig anstellen.

Gründe, warum er sich zurückzieht

Allein mit dieser Kapitelüberschrift könnten wir bereits ein komplettes Buch als Beziehungsratgeber füllen. Wir versuchen es dennoch in Kurzform und zeigen dir die typischen Gründe für einen (temporären) Rückzug. Das muss nicht heißen, dass einer dieser Gründe in deiner Beziehung ebenfalls vorliegt – aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch:

  1. Externe Gründe: Du hast nichts damit zu tun

    Versuche dich einmal bitte in seine Lage hineinzuversetzen: Wann möchtest du persönlich Zeit für dich haben und die zwischenmenschliche Verantwortung deinem Partner gegenüber aussetzen?Wenn du zum Beispiel gestresst bist. Vielleicht läuft etwas bei der Arbeit schief, vielleicht ist es ein Prüfungsmarathon in der Uni, vielleicht befindet sich dein Freund entwicklungstechnisch in einer persönlichen Sackgasse.

    Da du selbst nichts mit der Situation zu tun hast, kannst du sie auch nicht wirklich beeinflussen. Du kannst ihm natürlich deine Unterstützung anbieten, nur liegt es eben nicht in deiner Hand, wie er damit umgeht. Wenn er diese Zeit dann überstanden hat, wird er wahrscheinlich früher oder später von alleine zurückkommen.

  2. Beziehungstechnische Gründe: Bei euch stimmt etwas nicht

    Haben sich Pärchen nach einer gewissen Zeit aneinander gewöhnt, kann der zwar sichere, aber eventuell auch triste Alltag einziehen. Viele (sowohl junge als auch ältere) Paare vergessen, dass eine Partnerschaft kein Selbstläufer ist, sondern sie gepflegt werden möchte.

    Möglicherweise bemüht sich der Partner um eine Veränderung, aber du bekommst dessen Bemühungen nicht mit – was schnell zu Frustration und Unwohlsein fühlen kann. Wird er zurückkommen? Klar – wenn sich beide Parteien anstrengen und es wirklich wollen.

  3. Du hast einen Fehler gemacht – stehe dafür gerade!

    Diese Option ist theoretisch die einfachste, da du selbst handeln kannst. Gleichzeitig musst du dir aber auch eingestehen, einen großen Fehler gemacht zu haben. Das kann wehtun und unangenehm sein. Vielleicht hast du etwas gesagt oder getan, dass deinen Lebenspartner so kalt erwischt hat, dass er alles in Frage stellt.

    Wie würdest du mit einer solchen Situation umgehen? Vermutlich würdest du deinem Partner auch nicht alles durchgehen lassen und ihm um den Hals fallen. Wichtig ist: Lasse ihm den Freiraum, um den er bittet.

Partner leidet unter Beziehungsproblemen

Kommen wir jetzt zur wichtigsten aller Fragen:

Was kann ich tun, wenn er sich zurückzieht?

Vielleicht wenig überraschend ist auch diese Frage mit nur einem einzigen Substantiv zu klären: Kommunikation.

Wie und wann sollte ich handeln?

Eine Handlung in einer Partnerschaft, also eine Methode für die Konfliktlösung, besteht darin, richtig zu kommunizieren. Du denkst möglicherweise, dass du einen Standpunkt klar gemacht hast oder deine Wünsche deutlich geäußert hast. Das spielt jedoch keine Rolle, wenn diese Sätze nicht in derselben Art und Weise beim Gegenüber ankommen, wie du sie gemeint hast.

Niemand kann Gedanken lesen, weder du noch der Mann an deiner Seite.

Bevor wir also zu den Lösungstipps für unsere Probleme kommen, die wir im letzten Kapitel formuliert haben, fangen wir mit einem kleinen Tipp an: Kommuniziert deutlich und ehrlich. Wiederholt den Inhalt der Sätze des Partners, um sicherzugehen, dass ihr sie richtig verstanden habt – aktives Zuhören ist essentiell in einer Beziehung. Es ist ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller Tipp, da Missverständnisse seltener oder gar nicht auftreten.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage nach dem „Wann„: Stelle dir dazu zwei verfeindete Staaten in einem Krieg vor. Die Fronten sind verhärtet, Diplomatie führt (noch) nicht zum Ziel – also wird gekämpft. Es ist völlig unerheblich, mit welchen Argumenten das eine Land versucht, den Krieg zu beenden.

Wenn das andere Land nicht bereit ist, die Bedingungen zu akzeptieren, wird es keine Lösung geben. Natürlich können beide Parteien weiter Gewalt einsetzen. Das führt jedoch nur zur Zerstörung beider Seiten und nicht zur langfristigen Konfliktlösung.

Spannen wir den Bogen wieder hin zur Beziehung: Du wirst deinen Freund nicht zurückerobern können, wenn keine Konfliktlösung stattfindet. Dies erfordert einen offenen und ehrlichen Austausch miteinander. Irgendetwas läuft gerade schief: Zwischen euch, mit dir oder mit ihm.

Selbst im letzteren Fall, der dich persönlich nichts angeht, hast du ein Recht auf Konfliktlösung. Zieht sich dein Freund zurück und sorgt dies dafür, dass du leidest, hast du trotzdem ein Recht darauf, ihm dies mitzuteilen. Stress im Leben ist keine Ausrede dafür, dich auf die lange Bank zu schieben.

Wann sollte ich mit ihm sprechen, wenn er sich zurückzieht?

Am besten? Genau jetzt! Je früher kommuniziert wird, desto besser ist es für eure Partnerschaft.

Das, was aktuell zwischen euch steht, kannst du dir vorstellen wie einen großen Drachen. Jeder Tag, der vergeht, an dem ihr das Problem nicht offen ansprecht, wächst dieser Drache. An jedem Tag wird es für euch schwieriger, diesen Drachen zu bekämpfen.

Denke an Geschichten, die du kennst, in denen Drachen vorkommen: Sie hüten meist einen Topf voll Gold oder gar einen ganzen Berg aus Schätzen. Das ist die metaphorische Belohnung für das, was kommt, wenn ihr den Drachen besiegt. Einen gewaltigen Schatz – nämlich eine funktionierende, starke Partnerschaft, geprägt durch Liebe, Vertrauen, Zukunftsperspektiven und Sicherheit.

Zurückerobern schön und gut. Aber was mache ich, wenn er nicht möchte?

Es ist das gute Recht deines Freundes, sich zurückziehen zu wollen. Ein Mensch, der nicht kommunizieren möchte, kann nicht dazu gezwungen werden. Du kannst keine Burg zurückerobern, die sich dagegen wehrt und am Ende nur noch aus Schutt, Asche und Ruinen besteht. Du kannst aber sehr wohl deinem Freund verdeutlichen, dass sein aktuelles Verhalten langfristig nicht funktioniert.

Ihr Freund zieht sich zurück

An der Partnerschaft trägst du einen ebenso hohen Anteil wie deine bessere Hälfte. Du bist in eurem zwischenmenschlichen Geflecht nicht weniger oder mehr wert. Du hast es verdient, nicht im Dunkeln gelassen zu werden und eine Antwort darauf zu bekommen, wo genau das Problem liegt. Bist du schuld? Ist es die Dynamik zwischen euch beiden?

Selbst, wenn die Ursache komplett bei ihm liegt – etwa durch arbeitsbedingten Stress – löst sein Verhalten in dir natürlich dennoch etwas aus. Angst, das Gefühl schwindender Liebe, Unwohlsein, Ungewissheit, du zerbrichst dir den Kopf.

Auch das hast du nicht verdient – und zwar noch weniger, wenn du selbst praktisch gar nicht für die Misere verantwortlich bist.

Dennoch bitten wir dich, dir und besonders ihm etwas Druck zu nehmen. Es geht nicht unbedingt darum, dass er dir sofort sagen muss, woran es liegt. Vielleicht braucht er einen Moment, um sich selbst erst klar zu werden, wieso er sich gerade einigelt. Was du jedoch brauchst, ist die Kommunikation, dass er eben diesen Moment der Klarheit für sich benötigt, bevor er mit dir gemeinsam an einer Lösung arbeiten kann.

Um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Er muss wollen. Er muss dazu in der Lage sein, seine Emotionen und die auslösenden Probleme zu kommunizieren. Andernfalls ist keine langfristige Beziehung möglich, denn sonst wird ein Konflikt ewig bestehen bleiben – oder er wird unterdrückt, was aber nur dazu führt, dass der Drache aus dem vergangenen Kapitel weiterwächst und irgendwann ausbricht.

Geschafft: Dein Freund öffnet sich dir gegenüber wieder!

Prima: Ihr seid jetzt also an dem Punkt angekommen, an dem ihr beide an der Beziehung arbeiten wollt. Aber wie genau stellt ihr das an? Setzt euch hin – an einen Tisch, ohne Handy, ohne Fernsehen – und nehmt eine Bestandsaufnahme vor:

Wie läuft unsere Partnerschaft aktuell? Wie stellen wir es an, dass all das wiederkommen kann, was wir in den letzten Wochen, Monaten oder sogar Jahren vermisst haben?

gute Kommunikation ist wichtig

Wichtig ist in diesem Fall, nichts zu überstürzen. Ihr werden keine 180°-Drehung schaffen. Stellt euch vielmehr die Frage: Was können wir heute tun, damit unser Zusammensein morgen nur einen Hauch besser ist als heute?

Frühstückt vielleicht wieder zusammen. Gebt euch einen intensiveren Gute-Nacht-Kuss. Sagt einmal mehr pro Tag, was ihr an dem anderen besonders schätzt oder berührt euch beiläufig aber bewusst. Geht essen – und zwar richtig, gönnt euch die gemeinsame Auszeit. Räumt einen Schrank auf, der euch mit seinem Chaos im Inneren schon ewig quält (denn die gemeinsame Wohnung ist letztendlich nichts anderes als eine Erweiterung eures Selbst!).

Er wird auf diese Weise von ganz alleine wiederkommen. Du musst ihn gar nicht zurückerobern – denn das geschieht automatisch, indem ihr euch wieder näherkommt. Die Tatsache, dass er sich zurückziehen wollte (oder es getan hat), weist darauf hin, dass ihm etwas gefehlt hat.

Du kannst ihm zeigen, dass er dieses Etwas mit dir bekommen kann. Wenn ihr dies in der Vergangenheit bereits hattet, wird er sich daran auch zurückerinnern und sich danach sehnen. Dann können auch die kleinen Rituale wieder Einzug halten, die euch als Team verbinden.

Wichtig ist jedoch: Bevor ihr nicht klar miteinander kommuniziert habt, werden jene Rituale nicht helfen.

Gemeinsam das Lieblingsessen kochen, ins Kino gehen, witzige Bilder via WhatsApp verschicken… Das sind alles Pflaster, die eine viel zu tiefe Wunde verschließen sollen.

Erst, wenn ihr den Kern des Problems besprochen habt und erkannt habt, was euch gegenseitig gerade unglücklich macht (oder was ihr vermisst), wird eine echte, tiefe Veränderung stattfinden. Nur dann hast du die Chance, dass er aktiv in eure Partnerschaft „zurückkehrt“ – und dann wird auch das Kochen und der Gang ins Kino wieder zu einem Ritual, das langfristig zusammenschweißt.

Dein Freund zieht sich zurück. Was kannst du tun?
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