Soll ich mich trennen? Das Hin und Her der Gefühle

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Streitereien, Gefühlskälte, Gleichgültigkeit. Das Ende einer Beziehung nähert sich in den meisten Fällen schleichend. Manchmal gibt es noch den einen oder anderen Rettungsversuch. Ändert sich dennoch nichts, kommt immer öfter die Frage „Soll ich mich trennen?“ hoch. Aber woher weißt du, ob Schlussmachen wirklich die richtige Entscheidung ist?

Finja ist sich nicht sicher, ob ihre Partnerschaft mit Anton noch eine Chance hat: „Bei uns kriselt es seit über zwei Jahren. Wir machen eigentlich nichts mehr zusammen. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich nicht glücklich bin. Dass wir uns auseinanderleben. Aber es ändert sich nichts. Er verbringt seine Zeit lieber mit seinen Kumpels als mit mir. Vielleicht wäre es das Beste, wenn wir uns trennen würden.

Trotzdem hat sie noch Gefühle für Anton. „Aber es kommt einfach nichts zurück.Stillstand. Eine Beziehung kann nicht funktionieren, wenn nur eine Person daran festhält und darum kämpft.

In einem ähnlichen Stadium stecken viele Beziehungen fest. In der Ehe ist es in zwei von drei Fällen die Frau, die den Schlussstrich zieht und sich trennt. Bei unverheirateten Paaren hält es sich die Waage. Irgendwann betrachtet der Partner die Beziehung als selbstverständlich und bemüht sich nicht mehr. Das ist den meisten Frauen zu wenig.

Möglicherweise liest du diesen Artikel, weil du dich selbst fragst, ob du dich trennen solltest. Die endgültige Entscheidung können wir dir nicht abnehmen. Aber wir können versuchen, dich bei deinen Überlegungen zu unterstützen.

Wir zeigen dir, wann es sich lohnt, an deiner Beziehung festzuhalten, und auch, in welchen Fällen du dich tatsächlich besser trennen solltest. Zu deinem eigenen Schutz.

Schatz, wir müssen reden“ – Gespräche als Beziehungsretter?

Vermutlich hast du längst den einen oder anderen Gesprächsversuch unternommen. Manchmal hilft es, Probleme offen anzusprechen und zu sagen, was dir in eurer Beziehung fehlt. Geht dein Partner bzw. deine Partnerin auf dich ein, ist das ein gutes Zeichen. Wenn ihr nach wie vor Gefühle füreinander habt, könnt ihr die Trennung aller Wahrscheinlichkeit nach vermeiden.

Das gilt allerdings nur, wenn sich nach eurem Gespräch wirklich etwas verändert. Bleibt trotzdem alles beim Alten wie bei Finja und Anton, schiebt ihr das Problem nur vor euch her. Schwierig ist es auch, wenn du unzufrieden bist, dein Freund oder deine Freundin aber zufrieden mit dem Status quo.

Sie überlegen, ob sie sich trennen sollen

Wann Reden nicht (viel) weiterhilft

Dazu kommt, dass sich nicht alle Probleme durch Kommunikation bewältigen lassen. Bestimmte Konflikte werden euch begleiten, solange ihr zusammen seid. Deinen Liebsten/deine Liebste kannst du nicht ändern.

Gespräche machen aus einem sachlich-nüchternen Typen keinen Rosen-Kavalier. Aus einem Couch Potato wird vermutlich eher kein Partygänger. Und wer meist unordentlich und chaotisch war, wird es mit ziemlicher Sicherheit bleiben. Da hilft es nichts, dass dich die schmutzigen Socken mitten im Badezimmer stören oder dass du dich über den zugemüllten Schreibtisch ärgerst.

Durch Gespräche könnt ihr Verständnis für eure „Macken wecken. Jeder hat bestimmte Eigenheiten, die andere mal mehr und mal weniger nerven. Wenn ihr euch dessen bewusst seid, ist es leichter, damit umzugehen. Unnötig sind Gespräche darüber also nicht. Aber sie werden vermutlich auch nicht viel an dem Streitpunkt selbst ändern.

Trennen ja oder nein?

Schwierigkeiten und Streit gibt es in jeder Beziehung. Dass es mal „kracht“, ist noch kein Grund, sich zu trennen. Deswegen ist nicht gleich alles aus. Vielleicht steckt ihr in einer akuten Krise. Dann liegen schon mal die Nerven blank und ein Wort gibt das nächste.

Doch auch eine eingeschlafene Partnerschaft wie bei Finja und Anton kann die Frage aufwerfen, warum man eigentlich noch zusammen ist.

Es ist keine Lösung, an einer unglücklichen Beziehung festzuhalten.

Das sind die zentralen Fragen, die du dir stellen darfst:

  • Tut mir meine Beziehung (immer noch) gut?
  • Fühle ich mich in Gegenwart meines Partners/meiner Partnerin sicher, wohl und geborgen?
  • Bringe ich ihm/ihr positive Gefühle entgegen? Liebe ich ihn/sie nach wie vor?

Ganz wichtig ist hierbei dein Bauchgefühl. Meistens wissen wir ganz genau, was uns guttut und was für uns richtig ist. Wir wollen es manchmal nur nicht wahrhaben oder trauen uns nicht, die Konsequenzen zu ziehen. Dahinter steckt ganz oft die Angst vor dem Danach.

Lass uns gemeinsam auf das schauen, was eine Liebesbeziehung ausmacht. Diese Punkte können dir dabei helfen, einzuschätzen, ob du dich trennen solltest oder nicht:

1. Gemeinsamkeiten

Verliebtheit und sexuelle Anziehung bringen Paare zusammen. Aber diese Phase vergeht, und dann kommt es darauf an, ob Verliebtheit zu Liebe geworden ist. Spätestens dann sind Gemeinsamkeiten wichtig.

Habt ihr eine tiefere Verbindung zueinander aufgebaut? Teilt ihr euer Leben tatsächlich miteinander oder lebt ihr eher parallel nebeneinander her?

Du träumst vielleicht von Verwöhn-Urlauben in italienischen All-Inclusive-Hotels direkt am Meer. Dein Freund plant Rucksack-Trips durch Asien.

In deiner Freizeit gehst du am liebsten schwimmen. Er bevorzugt das Fitness-Studio.

Kinder kommen für dich absolut nicht in Frage. Für ihn ist Familie das Größte.

Am liebsten würdest du irgendwann in dein Sehnsuchtsland auswandern. Seine Lebensplanung beinhaltet ein eigenes Häuschen im beschaulichen Allgäu.

Bestimmte Differenzen lassen sich nicht durch Kompromisse lösen. Euren Urlaub könnt ihr selbstverständlich mal im Hotel, mal als Abenteurer im Zelt verbringen. Schwimmen und Fitness-Studio machen auch allein Spaß. Aber spätestens bei der Familienplanung und der Entscheidung über die Wohnsituation muss eine Person zurückstecken.

Was Paare zusammenhält, ist das Gefühl von Verbundenheit und Nähe. Solange ihr an einem Strang zieht, was eure Lebensplanung betrifft, gibt es auch einen gemeinsamen Weg. Wenn das allerdings nicht (mehr) so ist, wird es schwierig. Verliebtheit trägt euch nur am Anfang über alle Unterschiede hinweg.

Wenn er dir zuliebe auf Kinder verzichtet und du ihm zuliebe ins Allgäu ziehst, werdet ihr es möglicherweise irgendwann beide bereuen. Und euch gegenseitig deswegen Vorwürfe machen.

Ganz nüchtern gefragt: Welche Chance hat eine Beziehung, wenn keine Gemeinsamkeiten und Überschneidungen vorhanden sind?

Ist eine Trennung wirklich die richtige Entscheidung

Was euch in dieser Situation helfen kann:

  • Beginnt gemeinsam ein Hobby. Das schafft eine neue Gemeinsamkeit.
  • Tauscht euch über alles aus, was ihr getrennt voneinander macht. Lasst einander an euren Erlebnissen teilhaben.
  • Nehmt euch bewusst Zeit zum Reden und für Unternehmungen zu zweit.

2. Streit

Selbst wenn ab und an die Fetzen fliegen: Solange ihr euch hinterher wieder liebevoll versöhnt, ist alles in Ordnung. Selbst wenn in solchen Momenten die Frage hochkommt, ob du dich trennen solltest, hinterher ist meistens alles wieder vergessen. Schwamm drüber.

Oder ist dein Alltag ein einziger Machtkampf, der sich nur darum dreht, wer den Tisch deckt, wer den Müll trennt, wer das Bad putzt? Zermürbt ihr euch gegenseitig mit Vorwürfen? Eskaliert es zwischen euch sogar in der Öffentlichkeit? Das sind Alarmzeichen, die das Aus für eure Beziehung bedeuten können.

Wenn du…

  • dauernd wegen Nebensächlichkeiten mit deinem Partner oder deiner Partner aneinandergerätst, ohne dass ihr euch hinterher wieder vertragt,
  • manchmal gar keine Lust hast, nach der Arbeit nach Hause zu fahren,
  • es vermeidest, allein mit deinem Freund oder deiner Freundin zu sein,
  • du ihm/ihr keine oder kaum noch positive Gefühle entgegenbringst,
  • den Respekt vor ihm bzw. ihr verloren hast,
  • versuchst, ihn/sie gezielt zu verletzen,

kann es eine große Entlastung sein, dich von deiner anderen Hälfte zu trennen. Wenn die Beziehung sich in einem solchen Stadium befindet, lässt sich vermutlich nicht mehr viel retten.

Eigentlich sollten Liebe, Geborgenheit und das Gefühl von Sicherheit deinen Alltag prägen. Aus genau diesem Grund seid ihr ein Paar geworden. Wenn ihr euch das nicht mehr gegenseitig geben könnt, ist es wahrscheinlich die beste Lösung, wenn ihr euch trennt.

3. Vertrauen

Kannst du deinem Liebsten/deiner Liebsten nach wie vor alles anvertrauen? Hast du ein starkes Gefühl von Sicherheit in seiner beziehungsweise ihrer Nähe? Weißt du genau, dass er/sie in Gegenwart anderer niemals schlecht über dich reden würde?

Dann habt ihr aller Wahrscheinlichkeit nach trotz aller Schwierigkeiten eine starke Bindung und eine stabile Beziehung.

Vielleicht hast du aber auch das Vertrauen in deine/n Freund/in verloren. Das ist häufig nach einer großen Enttäuschung wie einem Seitensprung der Fall. Für viele Paare gibt es nach einem One-Night-Stand oder einer Affäre keinen gemeinsamen Weg mehr: Sie trennen sich sofort.

Andere versuchen, als Paar damit umzugehen. Das gelingt allerdings nur, wenn du bereit und in der Lage bist, deinem Partner/deiner Partnerin einen solchen Fehltritt zu verzeihen. Und das ist nicht einfach.

Dem Paar steht eine Trennung bevor

Vielleicht habt ihr es versucht. Und nun lebst du in ständiger Angst, dass sich der Seitensprung wiederholen könnte. Also durchsuchst du akribisch sein E-Mail-Postfach, prüfst sein Smartphone, kontrollierst, wo er hin geht und wann er zurückkommt…

Loslassen ist wichtig.

Wenn du kein Vertrauen mehr hast, weil Eifersucht, Zweifel und Angst dich auffressen, ist die Frage, ob sich das jemals wieder kitten lässt.

4. Positive Grundhaltung

Du kennst das bestimmt: Wenn du verliebt bist, leuchten die positiven Eigenschaften deines Schatzes dir entgegen. Alles Negative spielt keine Rolle. Oder du erklärst es durch die Umstände, für die er oder sie nichts kann.

Das verkehrt sich zunehmend ins Gegenteil, wenn die Beziehung dabei ist, kaputtzugehen. Dann nehmen negative Deutungsmuster zu. Statt positive Beweggründe zu vermuten, unterstellst du ihm oder ihr Lieblosigkeit, Desinteresse oder Egoismus.

Ein Beispiel: Stell dir vor, dein Freund hat euren Jahrestag vergessen. Wie reagierst du?

Denkst du eher: „Kein Problem, ich weiß, dass er mich liebt. Er hat im Moment einfach unglaublich viel Stress auf der Arbeit. Dazu kam unser Streit. Vermutlich hat er das Datum deswegen vergessen oder einfach keine Zeit gehabt, sich etwas zu überlegen.

Oder: „Na toll. Ich bin ihm überhaupt nichts wert. Alles andere ist für ihn wichtiger als unsere Beziehung. Dass er Stress auf der Arbeit hat, ist nichts als eine dumme Ausrede.

Wenn die Fronten zwischen euch sehr verhärtet sind, solltet ihr euch vielleicht wirklich besser trennen.

5. Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Liebe

Schenkt dir dein Freund seine Aufmerksamkeit? Oder hast du eher das Gefühl, ihn mit deiner bloßen Anwesenheit schon zu belästigen? Wenn du müde und gestresst bist, findet du dann trotzdem noch die Kraft, deine/n Partner/in in den Arm zu nehmen und ihn/ihr zuzuhören? Falls ja, ist das ein sehr gutes Zeichen.

Das kostet viel Kraft, und diese Extrameile gehst du nur, wenn der andere Mensch es dir auch wirklich wert ist.

Wie steht es um eure Zweisamkeit? Begegnet ihr euch nach wie vor als Paar? Sind die Gefühle auf deiner Seite erloschen, wirst du vermutlich kein Interesse mehr an Zärtlichkeiten, Liebe und Sex verspüren. Dieser Prozess verläuft schleichend.

Manche Paare berichten sogar von Ekelgefühlen: Ab einem bestimmten Moment konnten sie den Gedanken an körperliche Nähe nicht mehr ertragen.

Wenn es soweit ist, ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ihr euch trennt.

Solange ihr aber noch positive Gefühle füreinander habt, besteht die Chance, die Liebe wieder aufleben zu lassen!

Trennung bei Gewalt & Missbrauch

Wann du dich sofort trennen solltest

Schläge oder verbale Gewalt solltest du niemals akzeptieren. Kommt es bei euch zu häuslicher Gewalt, solltest du sofort die Reißleine ziehen. Zu deinem eigenen Schutz. Selbst wenn dein Partner sich nach einem Ausraster entschuldigt und dir Geschenke mitbringt: Die Chance, dass er sich ohne therapeutische Hilfe ändert, ist sehr gering.

Wende dich an die Polizei oder das Frauenhaus, wenn du Angst hast und Hilfe brauchst.

Trennen auf Zeit

Vielleicht bist du dir nach wie vor nicht sicher: „Sollte ich mich von meinem Partner trennen oder nicht?“ Es kann dir helfen, erst einmal auf Abstand zu gehen und den Kopf frei zu bekommen. Hast du Freunde oder Familienangehörige, die weiter weg wohnen? Vielleicht kannst du sie für ein oder zwei Wochen besuchen.

Falls das nicht in Frage kommt, könntest du eventuell allein irgendwohin fahren. In dieser Zeit bist du zumindest auf Zeit von deinem Partner getrennt und kannst in Ruhe nachdenken.

Und was noch wichtiger ist: Du kannst in dich gehen und dir über deine Gefühle klar werden. Was der Kopf sagt, ist eine Sache. Aber die Entscheidung trifft in den meisten Fällen das Herz.

Achte auf deine Gefühle: Vermisst du deinen Mann/deine Frau? Fehlt dir dein Lebensgefährte? Schnürt dir der Gedanke, ohne deine/n Freund/in leben zu müssen, die Kehle zu? Dann sind noch Gefühle für ihn vorhanden. Umgekehrt wird dein Partner vermutlich genau dasselbe durchmachen. Wenn er/sie merkt, wie einsam es ohne dich ist, kann es sein, dass er/sie anfängt um die Beziehung zu kämpfen.

Wenn du dagegen einfach nur aufblühst, ihn oder sie vollkommen vergisst und alles hinter dir lassen kannst, wirkt es, als ob eine Trennung das Richtige wäre.

Sie musste sich von ihrem Partner trennen

Der Abschied als Neuanfang

Selbst das ist kein Weltuntergang. Ihr habt es in dem Fall nicht geschafft, miteinander alt zu werden. Es tut weh, sich das einzugestehen. Aber ihr habt beide die Chance, es erneut mit jemand anderem zu versuchen und dann vielleicht tatsächlich glücklich zu sein. Schließlich bedeutet ein Ende immer auch einen Neuanfang.

Du hast die Chance, all das, was dir in deiner jetzigen Beziehung fehlt, mit einem anderen Mann an deiner Seite zu erleben.

Wir haben einige Trennungstipps für dich zusammengestellt, die dir dabei helfen, die Phasen der Trennung zu überstehen.

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