Richtiges Verhalten bei Bindungsangst

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Nicht immer zeigt sich Bindungsangst direkt. Es kann sein, dass dein Freund bis über beide Ohren verliebt in dich ist. Gerade in der Anfangszeit ist euer Zusammensein möglicherweise von Liebe und Leidenschaft geprägt.

Du denkst: Das ist der Richtige! Es fühlt sich an, als hättest du das ganz große Los gezogen. Bis eure Beziehung verbindlicher wird.

Vielleicht schlägst du ihm eine gemeinsame Wohnung vor. Auf einmal zieht er sich emotional von dir zurück. Und du verstehst die Welt nicht mehr.

„Ich bin einfach noch nicht reif für eine feste Beziehung.“

Wenn dein Traummann diesen Satz zu dir sagt, reißt es dir vermutlich den Boden unter den Füßen weg. Was er dir eigentlich sagen möchte: Er hat Angst davor, sich zu binden. Wir geben Tipps, wie du ihm helfen und mit seiner Bindungsangst umgehen kannst.

Was ist Bindungsangst?

Vermutlich liest du diesen Artikel, weil du befürchtest, dass dein Freund unter Bindungsangst leidet. Laut der Psychologin Stefanie Stahl sind rund 50 Prozent aller Menschen nicht in der Lage, stabile, gesunde Beziehungen einzugehen.

Beziehungsangst ist also kein seltenes Phänomen.

Anzeichen, die auf Bindungsschwierigkeiten hindeuten können

Allgemein solltest du hellhörig werden, wenn ein Mann von Ende 30 noch keine feste Beziehung hatte.

  • Ein Mann, der unter Bindungsangst leidet, geht manchmal überhaupt keine Partnerschaften ein. Stattdessen bleibt es bei One-Night-Stands, Affären oder unverbindlichen Fernbeziehungen.
  • Oft passen für einen Bindungsphobiker Liebe und Sex nicht zusammen: Entweder er hat Sex, aber keine Beziehung. Oder in der Beziehung fehlt der Sex, weil er die körperliche Nähe verweigert.
  • Es kommt vor, dass sich ein Mann mit Bindungsschwierigkeiten einseitig intensiv in eine Frau verliebt. Allerdings ist die Angebetete vergeben. Oder sie interessiert sich nicht für ihn. Dementsprechend kommt es nicht zu einer Beziehung.
  • Verliebt sich eine Frau in ihn und möchte den Kontakt vertiefen, reagiert er mit Fluchtverhalten.
  • Falls doch eine Partnerschaft zustande kommt, bleibt er der alleinige Herr über Nähe und Distanz.

Kommen dir diese Verhaltensweisen bekannt vor? Hat dein Liebster Probleme, sich dir gegenüber zu öffnen? Auch das könnte ein Anzeichen für Bindungsangst sein. Mit Verantwortung können die meisten Bindungsängstlichen nicht umgehen. Sie fühlen sich schnell vereinnahmt und erdrückt.

Möglicherweise ist deinem Partner nicht bewusst, dass er ein Problem hat. Vielleicht wundert er sich selbst über sein Beziehungsverhalten. Ist er gesprächs- und veränderungsbereit? Dann ist eine Verhaltenstherapie eine Möglichkeit, mit seinen Ängsten umzugehen.

Vielleicht ist er aber auch nicht bereit, sich mit seiner Psyche auseinanderzusetzen.

Warum kommt es zu Bindungsangst?

Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe, aus denen sich Bindungsangst entwickeln kann:

  1. Enttäuschung in einer vorherigen Partnerschaft

Manchmal ist eine frühere Partnerschaft die Ursache. Wurde dein Schatz eventuell von seiner Ex-Frau tief verletzt oder enttäuscht? Vielleicht gab es einen massiven Vertrauensbruch. Dazu zählt beispielsweise ein Seitensprung. Aber auch Drogen- und Alkoholprobleme belasten eine Beziehung. Möglicherweise haben Erlebnisse in der Vergangenheit seinen Glauben an Liebe, Partnerschaft und Ehe zutiefst erschüttert.

Hat er eventuell eine Scheidung hinter sich? Manche Paare zerstören sich gegenseitig in destruktiven Rosenkriegen. Falls deinem Freund etwas in dieser Richtung passiert ist, wäre auch das eine Erklärung für sein Verhalten.

  1. Vernachlässigung oder Überbehütung in der frühen Kindheit

Oder die Ursprünge seiner Bindungsangst reichen bis in die frühe Kindheit zurück. Meistens entsteht Bindungsangst in den ersten beiden Lebensjahren. Möglicherweise wurde dein Freund als Kind von seiner Bezugsperson vernachlässigt oder unterdrückt.

Psychologen betrachten die Verbindung des Kindes zu seinen Eltern als ausschlaggebend. Besonders das Mutter-Sohn-Verhältnis entscheidet darüber, wie der spätere Bindungsstil des Kindes ausfällt.

Eventuell hat dein Lebensgefährte die Erfahrung gemacht, dass die Liebe seiner Mutter an Erwartungen gekoppelt war. Nur wenn er sich als Kind den Wünschen seiner Mutter untergeordnet hat, wurde er geliebt. In dem Fall sitzt seine Angst vermutlich besonders tief.

Er befürchtet, in einer Partnerschaft mit dir seine Freiheit zu verlieren. Er möchte nicht von dir und deiner Liebe abhängig sein.

Eventuell litt dein Freund aber auch unter einer dominanten, ängstlichen Helikopter-Mutter. Überbehütete Kinder tun sich im Erwachsenenleben ebenfalls schwer damit, tragfähige Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Der Grund: Sie fürchten die Einengung.

Eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung oder ein schwieriges Verhältnis zum Vater sind mögliche Gründe für eine Bindungsphobie. Die Verbindung zur Mutter ist laut Psychologen allerdings die ausschlaggebende Basis für den späteren Bindungsstil des Kindes.

Ist dein Partner mit einer distanzierten, abweisenden oder dominanten Mutter aufgewachsen? Dann hat er früh gelernt, seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle unter Kontrolle zu halten und zu verstecken.

Verhaltensregeln für Paare

Wie du mit Bindungsangst umgehen kannst: 3 Beziehungstipps

Richtiges Verhalten bei Bindungsangst gibt es nicht. Die Ursachen und auch die Ausprägung können sehr unterschiedlich ausfallen.

Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die du beim Zusammensein mit einem Beziehungsphobiker beachten solltest:

  1. Erwarte nicht zu viel von deinem Partner. Vermutlich enttäuscht er dich, weil er sich eingesperrt fühlt.
  2. Dränge ihn zu nichts. Sonst ist die Gefahr groß, dass er davonläuft.
  3. Lass ihn frei. Auch, wenn es paradox klingt: Erst wenn du ihn loslässt, kann er sich dir nähern.

Für weitere wichtige Beziehungstipps, folge dem Link.

Bindungsangst: Symptome, die die Partnerschaft belasten

Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit sind wichtige Werte in einer Partnerschaft. Wenn dein Partner dich in dieser Hinsicht ständig enttäuscht, können Zweifel an deiner Beziehung hochkommen.

Ein paar Beispiele:

  • Du erwartest von deinem Freund, dass er sich an seine Versprechen hält.
  • Wenn ihr verabredet seid, gehst du davon aus, dass er am Treffpunkt erscheint.
  • Du möchtest mit ihm über die Zukunft sprechen und Pläne machen. Möglicherweise träumst du von einem Urlaub zu zweit, einer gemeinsamen Wohnung oder denkst an die Familienplanung.

All das empfinden Männer mit Bindungsangst als einengend und bedrohlich. Sie haben das Gefühl, ihre Freiheit zu verlieren – und gehen auf Distanz.

Vielleicht kommen dir auch diese Symptome bekannt vor:

Er bricht den Kontakt ab: In der ersten Phase der Verliebtheit war alles in Ordnung. Aus dem Nichts heraus machen sich bei deinem Freund Zweifel breit. Nach einer besonders leidenschaftlichen Nacht oder einem schönen Kurzurlaub verschwindet er ein paar Tage aus deinem Leben.

Sucht er Gründe, um mit dir zu streiten? Wirkt dein Liebster dir gegenüber kühl, unnahbar oder sogar verärgert und aggressiv? Nach besonders schönen Momenten versucht er dadurch möglicherweise, Distanz zwischen euch herzustellen. Vielleicht provoziert er darum einen Streit.

Verantwortung möchte er keine übernehmen: Verpflichtungen und Erwartungen schlagen ihn in die Flucht. Er meidet alles, was verbindlich ist.

Er steht nicht zu eurer Beziehung: Am liebsten möchte er eure Beziehung locker und unverbindlich halten. Durch Streit kommt zu Beziehungsabbrüchen. Aber ihr finde dann doch wieder zusammen (On-Off-Beziehungen).

Dein Freund zieht sich zurück: Kaum seid ihr zusammengezogen, denkt er nur noch an die Arbeit. Sein Job, seine Hobbys, seine Freunde – alles scheint wichtiger für ihn zu sein als du. Vielleicht ist er dir sogar untreu. Oder er hat keine Lust auf Sex mit dir.

Verhalten von Männern bei Beziehungsangst

Bindungsangst bei Männern: körperliche Symptome

Manchmal stellen sich bei bindungsängstlichen Männern körperliche Symptome ein.

Dazu gehören:

  • Herzrasen,
  • Mundtrockenheit,
  • Schweißausbrüche,
  • hektische Atmung
  • Schwindelgefühle,
  • Kopfschmerzen und
  • Verdauungsprobleme

Bindungsängste stellen für eine Partnerschaft eine Herausforderung dar. Es spielt keine Rolle, ob sich diese bereits in der Beziehungsanbahnung zeigen oder erst später erkennbar werden.

Richtig kommunizieren in der Partnerschaft

Wenn sich dein Freund von dir distanziert und dich nicht mehr an sich heranlässt, ist eure Beziehung in Gefahr. Es ist verständlich, dass du ihm helfen möchtest. Ist er jedoch nicht bereit, sich seinem Problem zu stellen, bleiben dir zwei Möglichkeiten:

  1. An der Beziehung festhalten: Akzeptiere das, was er dir geben kann. Sein Verhaltensmuster wird sich vermutlich nicht verändern.
  2. Die Beziehung beenden: Überleg dir in Ruhe, ob du deine Erwartungen und Bedürfnisse ihm zuliebe zurückstellen möchtest. Kannst du das nicht, ist es vielleicht besser, die Beziehung zu beenden.

Falls du dich dafür entscheidest, eure Beziehung fortzusetzen, hilft nur eins: Kommunikation.

  1. Interpretiere die Zurückweisung deines Partners richtig

Je näher ihr euch seid, desto schmerzhafter ist es vermutlich, wenn dein Freund dich abweist und auf Distanz geht. Versuche, die Zurückweisung nicht persönlich zu nehmen. Sprich mit ihm über seine Gefühle und Bindungsschwierigkeiten. Auf diese Weise näherst du dich ihm auf verständnisvolle Weise.

Weißt du, wie es in deinem Partner aussieht? Dann kannst du seine Beziehungsangst und seine Verlustängste vielleicht noch besser einordnen und verstehen.

Mach dir aber auch bewusst, dass sein Benehmen nichts mit dir als Person zu tun hat.

  1. Mach deinem Freund keine Vorwürfe

Er kann vermutlich nicht anders handeln. Seine Verlustangst zwingt ihn dazu. Er verteidigt seine Freiheit und seine Unabhängigkeit. Wenn du ihm eine Szene machst oder anfängst zu klammern, wird er dich vermutlich nur noch vehementer von sich wegstoßen.

Sende stattdessen Ich-Botschaften. Es macht einen Unterschied, ob du sagst: „Du weist mich ständig ab und gehst auf Distanz!“ oder: „Ich habe das Gefühl, dass ich dich nicht erreichen kann.“

Sprich über deine Gefühle, statt ihm Vorwürfe zu machen.

  1. Stärke sein Selbstwertgefühl

Wenn dein Liebster unter Bindungsangst leidet, hat er vermutlich ein geringes Selbstwertgefühl. Seine vorherigen Beziehungen haben Spuren hinterlassen. Dabei kann es sich um Liebesbeziehungen, aber auch um das Verhältnis zu seinen Eltern oder freundschaftliche Verbindungen handeln.

Möglicherweise ist er tief in seinem Inneren davon überzeugt, dass er es nicht wert ist, geliebt zu werden. Vielleicht befürchtet er, dass du ihn wegen seiner Mängel verlässt.

Was du für deinen Schatz tun kannst:

  • Gib ihm das Gefühl, dass du ihn liebst.
  • Lobe ihn für Dinge, die er gut macht.
  • Nutze jede Möglichkeit, ihm durch Bestätigung ein besseres Gefühl zu geben.
  • Schreite ein, wenn er die negative Meinung anderer Menschen über sich zu wichtig nimmt.
  1. Hol dir professionelle Hilfe

Es ist einfacher, Erfahrungen aus der Kindheit mit einem Therapeuten aufzuarbeiten. Wenn dein Freund Bindungen scheut, fürchtet er, dass er in zwischenmenschlichen Situationen nicht bestehen kann.

In einer Verhaltenstherapie bekommt er Strategien an die Hand, mit denen er in freundschaftlichen und partnerschaftlichen Zusammenhängen besteht.

Eine Paartherapie kann euch beiden helfen, mit dieser Situation umzugehen.

  1. Sei geduldig

Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Wenn dein Partner sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt, ist das ein sehr gutes Zeichen. Überfordere ihn nicht, indem du zu schnell nach Ergebnissen fragst.

Bindungsängste überwinden

Fazit

Beziehungsangst kommt häufig vor. Wenn dein Freund bereit ist, an seinem Problem zu arbeiten, lassen sich typische Verhaltensmuster verändern. Auf diese Weise lässt sich ein gesunderes Beziehungsverhalten herstellen.

An einer Partnerschaft mit einem beziehungsunfähigen Mann festzuhalten, ist nicht einfach. Das Hin und Her aus Nähe und Distanz zehrt an den Nerven. Du weißt nie, woran du bist.

Mit professioneller Unterstützung ist es einfacher, mit dieser Herausforderung umzugehen.

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