Umgang mit einem depressiven Partner – wie kann eine Beziehung funktionieren?

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Eine Depression ist eine psychische Erkrankung und kommt häufiger vor, als du vielleicht annimmst. Statistisch sind bis zum 65. Lebensjahr annähernd 20 Prozent aller Menschen in Deutschland zumindest einmal im Leben betroffen. Das ist jeder Fünfte. Und viele davon sind in einer Beziehung. Wie der Umgang mit einem depressiven Partner auch für dich gut funktionieren kann, erfährst du hier.

Wie kommen Betroffene damit klar?

Depressionen wirken sich auf psychischer und physischer Ebene unterschiedlich aus, weshalb es kein Patentrezept für den Umgang mit einem depressiven Menschen gibt. Nicht einmal die Diagnose ist aufgrund unterschiedlicher, für den Betroffenen meist vordergründiger Symptome so einfach. Sicher ist nur, dass deine Partnerschaft auf eine harte Probe gestellt wird. Wir helfen dir dabei, einen Weg zu finden, mit dem geliebten Menschen und der Krankheit samt ihren Auswirkungen umzugehen.

Leider handelt es sich nicht um eine Erkrankung, die wie eine Erkältung kuriert werden kann: Du kümmerst dich liebevoll um den Menschen an deiner Seite und nach einigen Tagen geht es ihm wieder gut. Nein, Depressionen sind tückischer.

Sie ziehen nicht nur den Erkrankten, sondern auch Freunde und Angehörige – dich – in Mitleidenschaft. Einfach gesund pflegen funktioniert nicht. Deshalb ist wichtig, dass du selbst nicht dabei nicht zu kurz kommst.

Wie kann man depressivem Partner helfen

Depressionen wirken sich auf die Partnerschaft aus

Dein Partner leidet unter Antriebslosigkeit. Er kann sich kaum zu etwas aufraffen. Du versuchst, seine Laune zu heben, überlegst dir, was ihr gemeinsam unternehmen könnt, damit er aus seiner trüben Stimmung herauskommt. Doch all deine Animationsversuche und Überredungskünste scheitern.

Im Haushalt bleibt womöglich alles liegen, der Austausch von Zärtlichkeiten auf der Strecke. Wahrscheinlich kennst du selbst solche Tage, an denen du dich zu nichts wirklich aufraffen kannst und dich am liebsten zurückziehen möchtest. Das ist gar nicht schlimm, denkst du. Morgen ist ein neuer Tag.

Doch Tag für Tag ist es dasselbe Spiel. Du bemühst dich, scheinst aber gar nicht richtig an dein Gegenüber heranzukommen, fühlst dich zurückgewiesen.

Liegt es vielleicht an dir? Gibt es Probleme im Beruf? Was genau bedrückt den Menschen an deiner Seite so? Warum erzählt er dir denn nicht einfach, was los ist?

Du wirst allmählich wütend. Zugleich machen sich Schuldgefühle bemerkbar: Offensichtlich leidet er. Du möchtest helfen, weißt aber nicht, wie. Zudem bleibt so viel an dir hängen, weil du deinem Schatz Vieles abnehmen muss. Er selbst erledigt seine Aufgaben nur gelegentlich, unzuverlässig oder gar nicht mehr.

Ratlosigkeit, Erschöpfung und Selbstzweifel machen sich in dir breit. Ganz ähnlich fühlt sich dein depressiver Partner. Es gibt nur einen wesentlichen Unterschied: Du versuchst, etwas zu ändern – er dagegen nicht.

So oder ähnlich kann sich die Situation darstellen. Vielleicht kommt dir einiges bekannt vor.

Plötzlich steht das Leben Kopf

Am Anfang steht die Diagnose. Du stellst fest, dass der Mensch, mit dem du dein Leben teilst, leidet. Ganz offensichtlich gibt es ein Problem. Unklar ist, ob es sich um eine vorübergehende depressive Verstimmung handelt, oder ob er tatsächlich depressiv ist. Das kann nur ein Arzt herausfinden. Hast du eine entsprechende Vermutung, behalte sie zunächst für dich. Sie hilft in diesem Moment nicht weiter.

Mit einer Diagnose tut sich häufig schon die erste Hürde auf: Wie kannst du ihn dazu bewegen, einen Arzt aufzusuchen? Natürlich kannst du einen Termin vereinbaren. Ob er wahrgenommen wird, liegt dagegen nicht in deiner Macht.

Häufig wechseln sich jedoch depressive mit offensichtlich besseren Phasen ab. Nutze eine solche, den nahestehenden Menschen zu bestärken, gemeinsam die Ursache für die Probleme herauszufinden. Ist diese erst bekannt, fällt der Umgang damit meist leichter. Das Kind bekommt sprichwörtlich einen Namen.

Turbulenzen in der Liebe

Ein depressiver Part in der Partnerschaft schafft es nicht selten, auch den anderen auf sein Stimmungsniveau zu ziehen. Während sich dein Partner als depressiv Erkrankter scheinbar seinem Leiden hingibt, versuchst Du alles Erdenkliche, ihn und dich aus der Situation herauszuholen.

Du möchtest helfen, damit alles wieder wird wie vorher. Das klappt aber nicht so einfach, was zu Enttäuschung führt. Du fühlst dich machtlos. Der an einer Depression Erkrankte ist offensichtlich eher teilnahmslos. Er fühlt sich dennoch verantwortlich, ist aber nicht in der Lage, etwas zu ändern. Das wiederum führt zu Schuldgefühlen und die ohnehin vorhandenen Selbstzweifel verstärken sich. Statt der zärtlichen, intensiven, euch verbindenden Liebe scheint eine immer größere Kluft zu entstehen.

Wir wissen, dass der Umgang mit Depressiven eine Gratwanderung ist

Gut gemeinte Ratschläge sind oft für beide Seiten kontraproduktiv. Du machst dir Gedanken und versuchst, deinen Lebensgefährten zu motivieren, er nimmt nichts wirklich an und meint, ihm könne ohnehin niemand helfen.

Bei dir steigt folglich die Frustration und das Gefühl der Hilflosigkeit. Bei ihm verstärken sich Selbstzweifel und auch Schuldgefühle, weil er sich nicht mehr wertvoll genug für dich fühlt und du deshalb ebenfalls leidest. Möglicherweise zieht er sich nur noch mehr zurück.

Wir empfehlen dir daher ein wenig Zurückhaltung, selbst, wenn es schwerfallen mag: Deine Bemühungen zeigen auf, wozu dein erkrankter Gegenüber nicht in der Lage ist. Dadurch kann er in eine noch tiefere Krise stürzen.

Sieben Tipps für den konstruktiven Umgang mit dem depressiven Freund

Nun haben wir dir allerlei Probleme aufgezeigt und erklärt, was sie noch verstärken kann. Damit ist dir kaum geholfen. Deshalb erhältst du nun praktische Tipps, wie du mit der Situation und dem Menschen umgehen kannst, ohne dich selbst depressiv zu fühlen.

Hilfe bei Depression

    1. Akzeptanz
      Nicht ohne Grund liebst du diesen Menschen, auch, wenn auf einmal alles anders ist. Versuche zu akzeptieren, dass dein depressiver Freund tatsächlich krank ist. Die Probleme haben an sich nichts mit eurer Liebe zu tun, obgleich sie die Partnerschaft deutlich erschweren.
    2. Informiere dich
      Je besser du über die Krankheit, ihre Symptome und Begleiterscheinungen informiert bist, umso leichter fällt dir neben der Akzeptanz der Auswirkungen der Umgang damit.
    3.  Da sein, aber nicht bedrängen
      Es ist eine große Hilfe für den Betroffenen, wenn du für ihn da bist, ohne ihn zu bedrängen. Das zeigst du zum Beispiel durch Vorschläge und Anregungen, indem du zugleich Verständnis äußerst, wenn solche auf Ablehnung stoßen:

      „Wir könnten zusammen einen kleinen Spaziergang unternehmen. Das tut uns beiden sicher gut. Vielleicht hilft dir etwas Bewegung an der frischen Luft. Ich weiß, dass du dazu vielleicht nicht in der Lage bist und vielleicht darin auch keinen Sinn siehst. Deshalb bin ich nicht böse oder enttäuscht, wenn du den Vorschlag ablehnst. Aber ich würde mich freuen, wenn wir es einfach mal versuchen. Wollen wir gemeinsam spazieren?“

      So setzt du deinen Lebensgefährten nicht unter Druck. Du zeigst ihm, dass du nachempfinden kannst, wie er sich fühlt. Eine Ablehnung müsste keine Schuldgefühle bei ihm auslösen und auch nicht das eigene Gefühl der Unfähigkeit verstärken.

    4. Nicht alles abnehmen
      Es ist gleichgültig, worum es sich konkret handelt – ein depressiver Mensch vernachlässigt viele Aufgaben und oft auch sich selbst. Schon das morgendliche Aufstehen kann schwerfallen, geschweige denn kleine Selbstverständlichkeiten wie etwas anzuziehen, die Zähne zu putzen oder etwas zu essen. An allerlei Verpflichtungen und Aufgaben im Alltag ist zeitweise gar nicht zu denken.Du kannst versuchen, ihn in verschiedene Aufgaben einzubeziehen:

      „Wollen wir gleich gemeinsam das Geschirr spülen?“

      „Möchtest du mir helfen, die Einkäufe einzuräumen?“

      „Wie wäre es, wenn wir zusammen etwas kochen?“

      Stößt du auf Ablehnung, tu einfach etwas für dich. Mach dir selbst einen kleinen Snack und lass ihn dir schmecken. Vergiss nicht: Der Mensch dir gegenüber ist krank, aber durchaus mündig. Es ist nicht deine Aufgabe, ihm alles abzunehmen, und das ist auch nicht notwendig. Das könnte nur wieder das eigene Gefühl der Unfähigkeit vor Augen führen und verstärken.

    5. Über Erfolge freuen
      Stell dir vor, wie sich depressiv sein anfühlen mag. Es ist ähnlich einer schwachen Autobatterie. Das Fahrzeug muss angeschoben werden, um zu starten. Sobald es fährt, lädt sich die Batterie wieder auf – bis es erneut einige Zeit stillstand.Jegliche Aktivität ist ein Erfolgserlebnis und jedes Erfolgserlebnis trägt dazu bei, die eigene Batterie ein bisschen aufzuladen. Mach deinen Partner darauf aufmerksam, dass er soeben etwas geschafft hat, einen kleinen Sieg über die Depression errungen hat. Zeige deine Freude und deinen Stolz darüber.
    6. Hoffnung vermitteln
      Hast du dich ausführlich über Depressionen und den Umgang damit informiert, weißt du, dass sie behandelbar sind. Es besteht durchaus Hoffnung, sie eines Tages zu überwinden. Teile diese Hoffnung. Sie wird von einem Menschen, der depressiv ist, unter Umständen selten gewürdigt. Dennoch tut es gut, zu wissen, dass du daran glaubst und Mut machst.
    7. Nicht aufgeben
      Depressive Menschen teilen also die eigene Freude über kleine Erfolge und bewältigte Aufgaben nicht unbedingt. Eventuell wirst du mürrisch darauf hingewiesen, dass es sich dabei ja wohl eigentlich um Selbstverständlichkeiten handelt und auch mal alles ganz einfach war. Vielleicht wirst du häufig zurückgewiesen und fühlst dich auch so. Mach dir immer wieder bewusst, dass eine depressive Person aus ihrer Krankheit heraus oft nicht anders kann. Ihre Welt besteht aus Selbstzweifeln und die Nähe eines anderen Menschen ist manchmal nur schwer zu ertragen. Das richtet sich nicht gegen dich. Es mag schwer sein, sich das immer wieder vor Augen zu führen.Wenn du wirklich helfen und an der Partnerschaft festhalten möchtest, ist es am effektivsten, jegliche Möglichkeit zur positiven Bestätigung zu nutzen und dies nicht aufzugeben. Damit signalisierst du immer wieder, dass der Mensch an deiner Seite auf dich zählen kann – ob mit oder ohne Depressionen.

Nicht selbst in eine depressive Verstimmung geraten

Eine Depression belastet die Partnerschaft. Sie kann dich an deine Grenzen bringen. Du selbst bist gar nicht krank, fühlst dich aber verständlicherweise völlig überfordert, bisweilen auch ausgelaugt. Du möchtest so viel tun und kommst nicht gegen die Krankheit deines Partners an.

Es ist ganz besonders wichtig, dass du nicht zu kurz kommst. Du bist ein Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen. Es gibt keinen Grund, dass dein Leben nicht mit voller Freude lebenswert wäre.

Was kannst du für dich tun?

  • Pflege deine Hobbys.
  • Unternimm etwas alleine oder mit Freunden.
  • Suche dir Gesprächspartner, um dir die Last von der Seele zu reden.
  • Umgib dich mit Menschen, die dir guttun.
  • Lass deine eigenen sozialen Kontakte nicht schleifen.
  • Erlaube dir, fröhlich zu sein und zu lachen.
  • Nimm deine eigenen Gefühle ernst: Du hast ein Recht darauf, auch mal wütend oder verzweifelt zu sein!
  • Genieße deine Lebensfreude, wann immer sich eine Möglichkeit ergibt.

Professionelle Hilfe für Nahestehende

Es ist nachvollziehbar, wenn du dich überfordert fühlst. Doch damit stehst du nicht alleine da – so geht es vielen Menschen mit einem depressiven Lebensgefährten. In einer Selbsthilfegruppe kannst du dich mit anderen Betroffenen austauschen. Das entlastet und du erfährst, wie andere mit der Situation umgehen.

Daneben gibt es Anlaufstellen für Angehörige. Du hast auch die Möglichkeit, eine psychologische Beratung oder Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, wenn dich die Situation selbst so sehr belastet, dass du damit nicht mehr klarkommst. Insbesondere bei Partnern, die mit Suizidgedanken spielen, sind Nahestehende üblicherweise völlig überfordert.

Einem depressivem Partner helfen

Fazit: Akzeptanz, Stärke und Selbstfürsorge

Du bist in einer schwierigen Situation. Wir haben volles Verständnis für die Probleme im Umgang mit einem depressiven Menschen und deine daraus resultierenden Gefühle. Dennoch ist Depression eine psychische Krankheit und behandelbar. Die Akzeptanz als psychologische Erkrankung hilft dir, die Begleiterscheinung weniger persönlich zu nehmen.

Es gibt Wege, damit umzugehen, sowie Anlaufstellen für dich und den wichtigen Menschen in deinem Leben. Das erfordert Kraft und Stärke, aber auch Selbstfürsorge. Du kannst niemandem helfen, indem du selbst dabei untergehst. Vielleicht konnten wir dir einige wertvolle Tipps mit auf den Weg geben.

Möchtest du uns und anderen Betroffenen von deinen Erfahrungen im Umgang mit Depressionen berichten? Wir freuen uns sehr auf deinen Kommentar!

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