Zweifel an Beziehung | Was die Liebe retten kann

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Zu Beginn einer Beziehung ist wahrscheinlich alles traumhaft. Du hast Schmetterlinge im Bauch, Herzrasen und deine gesamte Welt dreht sich nur um eins: deine große Liebe. Die Vertrautheit zwischen euch wächst. Damit hält allmählich die Gewohnheit Einzug. Wenn ihr zusammenlebt, zieht automatisch der Alltag mit ein. Liebesworte werden seltener.

Für gemeinsame Unternehmungen fehlen abends Zeit und Energie. Oft genug endet ihr ausgelaugt und erschöpft nebeneinander auf dem Sofa. Auch in sexueller Hinsicht seid ihr vielleicht weniger verrückt nacheinander wie am Anfang. Das kann Zweifel an der Beziehung aufkommen lassen.

Aber ist die Unsicherheit wirklich berechtigt? Wir verraten dir, wie du herausfinden kannst, ob er/sie dich (noch) liebt und ob eure Beziehung stabil ist.

Zweifel an der Liebe sind etwas vollkommen Normales. Jeder hinterfragt die eigenen Lebensverhältnisse von Zeit zu Zeit.

Habe ich mir mein Leben so vorgestellt? Möchte ich bis an mein Lebensende mit diesem Mann oder dieser Frau zusammen sein?

Diese und ähnliche Fragen kommen bei länger bestehenden Beziehungen irgendwann von selbst auf.

Typische Probleme, die Zweifel an der Beziehung hervorrufen

  • Einengung: Du hast keinen Freiraum.
  • Monotonie: Eurer Partnerschaft fehlt Abwechslung.
  • Lieblosigkeit: Dein/e Freund/in zeigt dir seine/ihre Gefühle nicht. Es fehlt die Liebe.
  • Harmonie: In deiner Beziehung läuft alles gut. Du fragst dich allerdings, ob es nicht besser, romantischer oder einfach ganz anders sein sollte.

Hast du berechtigte Bedenken oder nicht?

Anhand dieser acht Fragen kannst du für dich prüfen, ob du zurecht an Liebe und Beziehung zweifelst.

  1. Zweifel Nr. 1: Passt ihr zusammen?

Gegensätze mögen sich anziehen, dass hast du bereits öfter gehört. Eine glückliche Partnerschaft ist allerdings wahrscheinlicher, wenn ihr euch ähnelt.

Das ist das Ergebnis einer Studie mit mehr als 6.000 Paaren. Dazu gehören eine ähnliche Lebenseinstellung, Wertvorstellungen und Persönlichkeit. Eure Hobbys und Interessen müssen nicht unbedingt deckungsgleich sein. Das könnte langweilig werden. Freiräume, in denen jeder seiner eigenen Beschäftigung nachgeht, tun der Beziehung gut.

Der amerikanische Psychologe Darren George nennt darüber hinaus noch weitere Dinge, die bei Paaren zusammenpassen sollten:

  • Die Begeisterung für Sport,
  • eine ähnliche körperliche Belastbarkeit,
  • ähnliche spirituelle Vorstellungen und
  • gleich starkes Interesse an persönlichem Wachstum stärken die Liebe.

Vielleicht zweifelst du, weil ihr euch in diesen Punkten stark unterscheidet.

Die Crux: Viel ändern lässt sich daran nicht. Es ist keine Lösung, wenn sich ein Partner in der Beziehung an den anderen anpassen und seine eigenen Sichtweisen aufgeben muss. Abgesehen davon würde das vermutlich ohnehin nicht funktionieren.

Zweifel an der Beziehung sind bei starken Unterschieden verständlich. Keine Sorge, mit viel gegenseitigem Verständnis und Offenheit kann eine Beziehung zwar trotzdem gelingen. Möglicherweise würde dich ein anderer Mann oder eine andere Frau allerdings glücklicher machen.

  1. Zweifel Nr. 2: Habt ihr eine gute Verbindung zueinander?

Der amerikanische Psychologe John Gottman trägt den Spitznamen „Einstein der Liebe“. Er hat rund 200 Studien und 40 Bücher dazu veröffentlicht, was Paare zusammenschweißt. Ob eine Parternschaft hält, kann er mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % vorhersagen. Besonders wichtig für die Liebe ist demnach, ob Paare einander Verbindungsangebote machen – und darauf eingehen.

Kommunikation statt Zweifel

Ein Beispiel: Angenommen, du schaust eine Krimi-Serie an, während dein Partner Zeitung liest. Plötzlich entdeckst du einen Regiefehler, den du ihm/ihr unbedingt zeigen möchtest. Wie reagiert er/sie? Wendet sich dein Partner dir zu und schenkt dir seine volle Aufmerksamkeit? Oder beschwert er/sie sich, weil du ihn/sie beim Lesen störst?

In diesem Moment geht es nicht um die TV-Serie. Du möchtest etwas mit deinem Partner teilen und suchst einen Moment lang seine Nähe (und Bewunderung). Laut Gottman spielt es eine große Rolle, ob dein/e Freund/in auf diese Verbindungsversuche eingeht. Das zeigt, dass er/sie dich respektiert und deine emotionalen Bedürfnisse ernst nimmt, was für Zufriedenheit in der Beziehung sorgt.

Reagiert dein Partner ständig abweisend und mürrisch, wenn du Kontakt suchst? Dann sind deine Zweifel an der Liebe höchstwahrscheinlich berechtigt: In erfolgreichen Beziehungen wenden sich in 87 Prozent dieser Verbindungsversuche die Partner einander zu. Sie schenken sich Aufmerksamkeit und Gehör.

  1. Zweifel Nr. 3: Stimmen Nähe, Leidenschaft und emotionale Intimität in eurer Beziehung?

Zweifel an der Liebe kommen schnell auf, wenn die sexuelle Anziehungskraft nachlässt. Der Sozial- und Sexualwissenschaftler Kurt Starke hat knapp 60.000 Menschen zu ihrem Sexleben befragt. Statistisch gesehen haben die meisten Menschen durchschnittlich zweimal die Woche Sex.

Paare sind aktiver als Singles. Allerdings lässt in Paarbeziehungen die sexuelle Aktivität nach zwei bis fünf Jahren nach.

Die Partnerschaft leidet darunter nicht unbedingt: Wichtig sind vor allem Nähe und Geborgenheit. Sex spielt dabei zwar eine Rolle, aber nicht unbedingt die wichtigste. Nutze die Kraft des Oxytocins! Das Beziehungshormon wird beim Kuscheln freigesetzt. Das stärkt die Bindung zwischen dir und deinem Partner.

Fühlst du dich mit deinem oder deiner Liebsten tief verbunden? Seid ihr euch emotional nahe? Teilt ihr ein Wir-Gefühl miteinander?

All das sind Fragen, die du dir stellen kannst. Weniger Sex heißt nicht automatisch, dass deine Beziehung in Gefahr ist. Fehlt es allerdings gleichzeitig an körperlicher Nähe, emotionaler Intimität und Geborgenheit, sollten deine Alarmglocken klingeln.

Was du tun kannst, wenn sich Zweifel in dir breit machen: Sprich mit deinem Partner. Verbessert die Kommunikation in eurer Beziehung. Vielleicht kannst du die körperliche Leidenschaft wiedererwecken, indem du neuen Schwung in euer Liebesleben bringst. Dazu kann bereits ein „Ortswechsel“ reichen. Schließlich muss Sex nicht immer im Schlafzimmer stattfinden.

  1. Zweifel Nr. 4: Reicht eure gemeinsame Zeit zu zweit?

Zweisamkeit ist in bestehenden Beziehungen entscheidend. Inmitten täglicher Verpflichtungen kann es schwierig werden, sich Zeit füreinander zu nehmen. Kinder müssen versorgt werden. Familienmitglieder, Freunde, Kollegen, die Arbeit, Haustiere, Hobbys, der Haushalt – all das fordert Aufmerksamkeit.

Vielleicht zweifelst du genau deshalb an seiner oder ihrer Liebe.

Bleibt genug Zeit für euch beide als Paar? Falls nicht: Ändere das. Ihr braucht exklusive Momente, nur für euch.

Das können kleine Gesten sein wie der Kuss zur Begrüßung und zum Abschied. Vielleicht ein kurzer Austausch beim Frühstück und beim Abendbrot, eine Umarmung im Vorübergehen. Aber auch Unternehmungen sollten in Beziehungen nicht fehlen.

Erinnerst du dich noch an deine Aufregung bei euren ersten Dates? Candlelight-Dinner im Restaurant, Flohmarkt-Bummel, Spaziergänge bei Sonnenaufgang oder Kurzurlaube in Hotels waren Highlights, denen du entgegengefiebert hast.

Falls das in Vergessenheit geraten ist und dich das an deiner Partnerschaft zweifeln lässt: Sorge dafür, dass ihr Quality Time für euch allein habt.

John Gottman fand heraus, dass Menschen in guten Beziehungen etwa fünf Stunden mehr Zeit miteinander verbringen als Menschen in Verbindungen, die zum Scheitern verurteilt sind. Dieses Wissen kannst du nutzen und gleichzeitig deine Zweifel an der Beziehung eindämmen.

  1. Zweifel Nr. 5: Kommuniziert ihr genügend miteinander?

Zu Beginn eurer Beziehung wolltest du vermutlich alles von deinem Partner wissen: Was er/sie denkt und fühlt und träumt. Seine/ihre Vergangenheit war spannend. Du warst interessiert an der Kindheit, am Verhältnis zu seinen/ihren Eltern, an seinem/ihrem Job. Mit der Zeit schleicht sich der Gedanke ein, all das bereits zu wissen und zu kennen. Aber ist das tatsächlich so?

Erlebnisse und Erfahrungen verändern das Denken. Möglicherweise ziehst du teilweise voreilige Schlussfolgerungen. Fühlt sich dein Partner unverstanden und unerkannt, zieht dieser sich zurück.

John Gottman erklärt, dass glückliche Paare umfangreiche Informationen über den anderen im Kopf haben. Kennst du die wichtigsten Ereignisse im Leben deines Partners? Weißt du über seine/ihre Lebenseinstellung, Wünsche, Träume und Ängste Bescheid? Kannst du diese 66 Fragen über deinen Partner beantworten?

Wie sieht es umgekehrt aus: Was weiß dein Partner über dich?

Gottman zufolge werden die Informationen im Idealfall laufend aktualisiert und erweitert. Dieses umfangreiche Wissen über den Partner bezeichnet er als „Love Maps“.

Zweifel an deiner Beziehung sind angebracht, wenn du das Gefühl hast, deinen Partner kaum zu kennen. Lebt ihr beide eher aneinander vorbei? Ihr wisst kaum, wie der andere seine Tage verbringt? Wenn eure Liebe eine Chance haben soll, haltet eure Neugier aufeinander am Leben.

  1. Zweifel Nr. 6: Könnt ihr gut miteinander streiten?

Streit wegen Zweifel

Richtig zu streiten, ist schwer. John Gottman zufolge sind 69 % aller Konflikte in Beziehungen nicht zu lösen. Gewisse Streitpunkte bleiben, solange die Beziehung andauert. Das bedeutet: Es gibt reichlich Konfliktpotenzial.

Für dich heißt das allerdings auch, dass Streit und Probleme dich nicht an eurer Beziehung zweifeln lassen müssen. Reibungspunkte sind Teil eurer Liebe. Am Anfang der Beziehung hast du vermutlich über Unstimmigkeiten hinweggesehen. Das ist das berühmte „Rosarote-Brille-Phänomen“.

Ihr müsst letztendlich damit leben, dass es nicht für jedes Problem eine Lösung gibt. Wichtiger ist, wie ihr streitet.

Wörter wie „immer“, „nie“ oder „jedes Mal“ solltest du unbedingt vermeiden. Sie werden als persönlicher Angriff aufgefasst.

Was tut dein/e Freund/in, wenn er/sie sich angegriffen fühlt?

Richtig: Er/sie nimmt Verteidigungshaltung ein und geht zum Gegenangriff über. Gerade, wenn ihr beide müde und gestresst seid, kann ein Streit schnell eskalieren. Das wirkt möglicherweise, als ob er/sie dich nicht mehr liebt.

Das Schlimmste, was laut Gottman passieren kann, ist dem anderen im Streit mit Geringschätzung zu begegnen. In diesem Moment geht es nur noch um eins: bewusste Verletzung. Diese Wunden sind oft nicht mehr zu kitten.

Vielleicht haben deine Zweifel an dieser Stelle ihren Ursprung? Das wäre verständlich. Von Liebe ist in diesen Momenten nichts mehr zu spüren. Die nächste Stufe ist der Rückzug aus dem Streit. Sagt dein Freund oder deine Freundin einfach gar nichts mehr? Dann lässt er/sie dich am ausgestreckten Arm verhungern.

Zur Schau gestellte Gleichgültigkeit ist besonders verletzend. Ihm/ihr ist im Grunde alles egal. Ist es erst einmal so weit gekommen, ist eure Beziehung kaum noch zu retten. Gottman nennt diese vier Stufen „apokalyptische Reiter“.

Der Psychologe und Beziehungswissenschaftler rät dazu folgende vier Dinge in Beziehungen unbedingt zu vermeiden:

  • Kritik an der Person statt am Verhalten
  • Verteidigungshaltung
  • Verachtung oder Geringschätzung
  • Rückzug
  1. Zweifel Nr. 7: Akzeptiert ihr einander, wie ihr seid?

Gleich vorweg: Menschen lassen sich nicht ändern. Aus einem Chaoten kannst du keinen Ordnungsfanatiker machen. Ein Realist wird nicht zum Romantiker, und ein Egomane vermutlich nicht zum Empathen. Damit musst du dich abfinden. Sonst hat deine Beziehung keine Chance. Wünschst du dir ständig etwas, was dein Freund bzw. deine Freundin dir nicht geben kann, sind Enttäuschungen unvermeidbar.

Dafür gibt es nur eine Lösung: Akzeptiere deinen Partner so, wie er ist. Das Gleiche darfst du für dich selbstverständlich ebenfalls einfordern.

Gottman zufolge sind Paare am glücklichsten, wenn sie drei Dinge voneinander erwarten: Wohlwollen, Freundlichkeit und Anteilnahme.

  1. Zweifel Nr. 8: Schenkt ihr euch häufig Aufmerksamkeit?

Du vermisst es zu hören, dass dein Partner dich liebt? Damit bist du nicht allein. Männern fällt es dabei häufig schwerer, die drei berühmten Worte über die Lippen zu bringen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, „Ich liebe dich“ zu sagen: Vielleicht sorgt er für dich, wenn du krank bist. Oder er kocht dir deinen Lieblingstee am Ende eines anstrengenden Tages.

Möglicherweise steht, kurz bevor du zur Frühschicht aufbrechen musst, ein Frühstück für dich bereit. Oder, oder, oder… Der Alltag ist oftmals voller kleiner Liebeserklärungen. Nimm dir die Zeit, diese zu erkennen.

Sie wollen sich nicht mehr anzweifeln

Was Beziehungen erfolgreich macht

Zweifel an Beziehungen kennt vermutlich jeder von uns. Sie können berechtigt sein. Hinterfrage deine Partnerschaft: Beantworte die acht oben gestellten Fragen offen und ehrlich. Danach kannst du einschätzen, ob du an eurer Liebe festhalten oder besser einen Schlussstrich ziehen solltest.

Neben Respekt, Intimität, Leidenschaft und Verbundenheit ist Autonomie entscheidend: Deine Beziehung sollte dir Freiraum zur Selbstverwirklichung lassen. Sonst wirst du dich langfristig eingeengt und unglücklich fühlen – und die Partnerschaft beenden.

Zweifel an Beziehung | Was die Liebe retten kann
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