Das Peter Pan Syndrom: Männer, die nicht erwachsen werden

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Erwachsen zu werden verlangt nach Mut und Verantwortungsbewusstsein. Für einige Männer und Frauen in unserer Gesellschaft kann es sehr herausfordernd sein, gesunde Erwachsene zu werden. Kein Wunder, dass viele Menschen das sogenannte „Peter-Pan-Syndrom“ entwickeln – ein Syndrom, bei dem Erwachsene im Innern Kind bleiben.

Der Begriff „Peter-Pan-Syndrom“ stammt von dem Familientherapeuten Dr. Dan Kiley, als er einen Weltbestseller mit dem Titel „Das Peter-Pan-Syndrom. Männer, die nie erwachsen werden“ in den 80-er Jahren veröffentlichte.

Seine Theorie basiert auf der Geschichte von Peter Pan aus dem Nimmerland. Die Geschichte, geschrieben von James Matthew Barrie, handelt von „dem Jungen, der nicht erwachsen werden wollte“ und seine Tage in Sorglosigkeit, spielerischer Unbeschwertheit (und Verantwortungslosigkeit) leben wollte.

Dan Kiley verbindet jemanden demnach mit dem Peter-Pan-Syndrom, wenn er emotional unreif ist und sich weigert, die Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen – so wie Peter Pan.

Hast du die Vermutung, dein Partner zeigt Züge des Peter-Pan-Syndroms? Lass‘ uns das ganz schnell herausfinden.

Er hat das Peter Pan Syndrom

Weshalb es manchen Männern schwerfällt, erwachsen zu werden

Vielleicht erinnerst du dich an deinen Weg ins Erwachsenwerden. Du durchläufst einen Prozess, auf dem du auf physischer und emotionaler Ebene reifst. Die Richtung dieses Weges wird von dem Rahmen, in dem du aufwächst (der Gesellschaft und unseren Eltern), sehr stark geprägt.

Diesen Weg durchläuft auch dein Partner. Lass‘ uns an dieser Stelle nicht vergessen, wie groß der Druck auf Männer noch heute ist, ein „echter Mann“ (und kein Peter Pan) zu sein.

Dabei gibt unsere Gesellschaft klare Vorgaben, was wünschens- und lobenswert ist – und was nicht. Hier nur ein Beispiel: Echte Männer sprechen nicht über ihre Gefühle.

Bei diesem Druck füllen wir unser Päckchen voller ungeheilter, emotionaler Wunden.

Da ist es wenig verwunderlich, wenn ein Mann sich mit den bequemen Aspekten seiner Kindheit für sein ganzes Leben einverstanden gibt und als Peter Pan leben möchte.

Womöglich stellst du dir nun die Frage, ob dein Partner nun Anzeichen des Peter-Pan-Syndroms zeigt. Dies kannst du in der folgenden Liste überprüfen. Außerdem klären wir, in welchen Traumata die Entstehung des Peter-Pan-Syndroms ihren Ursprung findet.

13 Anzeichen, dass ein Mann vom Peter-Pan-Syndrom betroffen ist

  1. Er stellt seine Bedürfnisse über die von allen anderen.
  2. Bedürfnisse, die er in seiner Kindheit nicht erleben konnte, gleicht er im Erwachsenenleben aus.
  3. Seine Gefühle sind eine große Bedrohung. Aus diesem Grund versucht er, sie mit allen Mitteln zu unterdrücken, bis sie eines Tages gewaltsam in Form von Gefühlsausbrüchen explodieren.
  4. Ein Mann mit Peter-Pan-Syndrom kann schwer alleine sein und sucht im Außen oft Neues, um seine innere Leere zu füllen.
  5. Oft ist er sehr abhängig von anderen und/oder seiner Partnerin.
  6. Liebe gibt er nicht, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten.
  7. Er hat narzisstische und chauvinistische Züge.
  8. Männer mit diesem Syndrom erbeuten sich über die Bestätigung im Bett ihre Anerkennung.
  9. Seine Mutter spielt nach wie vor eine große Rolle in seinem Leben. Er hält vielleicht sogar täglich Kontakt mit ihr, während sie über jedes Detail ihres Sohnes im Bilde ist. Auch in einem höheren Alter kümmert sie sich noch um seine Wäsche, legt ihm Kleidung am Vorabend heraus, kocht für ihn oder kauft für ihn ein.
  10. Er verbringt hauptsächlich Zeit mit (deutlich) jüngeren Menschen (und anderen „Peter Pans“).
  11. Insgeheim glaubt er, Frauen seien da, um ihn zu bedienen und zu versorgen.
  12. Er bindet sich sehr ungern und führt zerstörerische Beziehungen.
  13. Männer mit Peter-Pan-Syndrom sind oft passiv-aggressiv. Sie sind schnell beleidigt, launisch und bockig, wenn sie nicht sofort das erhalten, was sie möchten.

Na, ist dein Partner ein Peter Pan? Dann lass uns gemeinsam verstehen, wo das Peter-Pan-Syndrom seinen Ursprung findet – bevor wir zu konkreten Tipps kommen, wie du mit dieser Situation umgehen kannst.

Überaus beschützende Eltern fördern das Syndrom

Wie entsteht das Peter-Pan-Syndrom?

Der Grund, weshalb das Reifen manchen Menschen schwerfällt und sie das Peter-Pan-Syndrom entwickeln,  kann durch mitunter starke Schuldgefühle aus der Kindheit kommen.

Ein Beispiel.

Stell‘ dir vor, du bist ein Kind, das die Trennung seiner Eltern miterlebt. Du versuchst vielleicht alles, um Mama und Papa zusammenzuhalten. Da es aber nicht in den Händen eines Kindes liegt und sich deine Eltern höchstwahrscheinlich trotzdem getrennt haben, wirst du den Grund für die Trennung in dir suchen.

Vielleicht passierte das auch bei deinem Partner. Er schlüpfte als Kind in eine Erwachsenenrolle (die, die er heute einnehmen sollte) und übernahm Verantwortung für die Trennung seiner Eltern. Da er die Trennung jedoch nicht verhindern konnte, wird er sich für seinen „Misserfolg“ die Schuld geben…

…und diese Last noch heute tragen.

Aus diesem Grund denkt dein heute erwachsener Partner, er sei für alles um sich herum verantwortlich und alles geht „durch sein Mitwirken“ zugrunde.

Das tut ganz schön weh.

Er wird unbewusst jede Art von Verantwortung meiden und wie ein ungeliebtes Kind handeln. Er wird Liebe, Anerkennung, Spaß, Versorgung und Bestätigung von außen brauchen – die, die er als Kind erhalten wollte.

Überbehütende „Helikopter“-Eltern

Ein weiterer Grund für die Entwicklung des Peter-Pan-Syndroms können sogenannte Helikopter-Eltern sein. Helikopter-Eltern sind überbehütende, kontrollierende und fast paranoide Eltern, die all ihre Aufmerksamkeit und Energie auf ihr Kind richten – teilweise bis zu einem hohen Alter.

Helikopter-Mütter sind die Mütter, die ihren Söhnen noch mit 40 die Wäsche waschen, seine Kleider am Vorabend herauslegen, für ihn einkaufen und kochen, seine Rechnungen zahlen.

Sie lassen ihrem Kind in keinem Alter die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und ihr eigenes Leben zu leben und verhalten sich meist emotional erpresserisch.

Eine solche Mutter erzieht ihren Sohn zum Peter Pan und wird ihm immer wieder zwischen den Zeilen vermitteln, dass sie wegen ihm ihr ganzes Leben aufgegeben hat. Er solle bitte dankbar dafür sein.

Hat dein Partner eine überbehütende Mutter, wird er wahrscheinlich auch sein ganzes Leben das Gefühl haben, ihr etwas zu schulden.

Wenn er sein Recht auf das Entwickeln emotionaler Reife nicht selbst ergreift, wird er vermutlich für lange Zeit ein Kind im Körper eines Erwachsenen bleiben und mit diesem Syndrom leben – ganz wie Peter Pan.

Dein Partner darf lernen, seine Schuldgefühle aufzuarbeiten, um zu einem Erwachsenen zu reifen.

Hilfe bei Peter-Pan-Syndrom

Wie du mit dem Peter-Pan-Syndrom umgehen kannst

(und welche Tipps für deinen Partner mit diesem Syndrom hilfreich sind)

1. Die Gründe hinter dem Peter-Pan-Syndrom verstehen

Setze dich intensiv mit diesem Thema auseinander und versuche, Verständnis für deinen Partner aufzubringen. Das kannst du, indem du in seinem Verhalten die wahren Beweggründe verstehst. Das hilft dir, dich etwas von den kindischen Verhaltensweisen zu distanzieren und es weniger persönlich zu nehmen.

2. Setze ihn nicht unter Druck, sondern unterstütze ihn

Ein Mann mit Peter-Pan-Syndrom ist sich seines Verhaltens meist nicht bewusst. Wenn du ihn also unter Druck setzt, wird er dir den Ball höchstwahrscheinlich zurückwerfen.

Unterstütze ihn stattdessen, sich selbst mehr zu reflektieren, indem du ihm z. B. die Frage stellst, weshalb er genauso handelt, wie er es gerade tut. Bitte beachte, dass du nicht die Heilungsarbeit für ihn übernehmen kannst – dies muss er aus freien Stücken wollen, um sich von seinen Schuldgefühlen zu befreien.

3. Biete ihm professionelle Hilfe an (zusammen)

Wenn dein Partner Bewusstsein für sein Verhalten entwickelt hat, schlage ihm vor, mit ihm zusammen eine Paartherapie (oder Einzeltherapie) zu machen, damit ein geschulter, objektiver Blick ihn bei der Aufarbeitung seiner Vergangenheit (und Auflösung des Syndroms) unterstützen kann.

4. Geduld, Geduld, Geduld

Da Männer mit Peter-Pan-Syndrom oft nicht viel Bewusstsein für sich selbst mitbringen, ist an dieser Stelle viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Entscheide dich bewusst, diese Beziehung mit ihm zu führen und überprüfe, ob du das wirklich von Herzen möchtest.

5. Lass dich von Peter Pan inspirieren

Auch, wenn dich sein kindisches Verhalten oft an deine Grenzen bringt – genieße es, selbst deine kindlichen Seiten des Peter-Pan-Syndroms auszuleben.

Wenn wir erwachsen werden, vergessen wir in unserer Gesellschaft oft, neugierig, mit Leichtigkeit und spielerisch an das Leben heranzugehen. Versuche also, die positiven Seiten des Peter-Pan-Syndroms zu sehen und für dich zu nutzen.

6. Unterstütze ihn darin, unabhängiger zu sein

Unterstütze deinen Peter Pan darin, aktiv Verantwortung zu übernehmen und sich gut um sich selbst zu kümmern. Bitte beachte auch hier, dass du nicht in die Rolle der Ersatzmutter steigen darfst. Agiere als Unterstützung, indem du ihm Unabhängigkeit und Verantwortung vorlebst.

Liebe Leserin, wir hoffen, wir konnten dir die wahren Auslöser hinter dem Peter-Pan-Syndrom verständlich machen, sodass du mit einem zustimmenden Nicken und einem „Oh ja, jetzt macht das alles Sinn“ gestärkt aus dem Artikel herausgehst. Hinterlasse uns gerne einen Kommentar, wenn du Feedback oder etwas zu dem Thema beitragen möchtest.

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