Alkohol wichtiger als Beziehung: Wenn dein Partner heimlich trinkt

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Dein Partner trinkt ungewöhnlich viel? Vielleicht findest du beim Aufräumen leere Bierflaschen oder entdeckst einen heimlich angelegten Vorrat an Spirituosen. Woran du erkennst, dass dein Lebensgefährte alkoholabhängig ist und wie du deine Beziehung retten kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft weitverbreitet. Es gibt ein Glas Wein zum Essen. Zum Feierabend darf ein Bier nicht fehlen. Beim Feiern sind alkoholische Getränke ohnehin ein Muss.

Wer alkoholfreie Getränke bestellt, gerät schnell unter Druck: „Ach, komm, ein Bierchen kannst du doch wohl mittrinken.

Anstoßen, in Stimmung kommen, locker werden, nach der Arbeit runterkommen… Trinken ist eine Selbstverständlichkeit.

Aber nicht alle Menschen können mit diesem lockeren Umgang mit Alkohol umgehen. Knapp 1,77 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland sind alkoholabhängig.

Der Partner ist alkoholabhängig

Alkoholabhängigkeit: Meistens beginnt die Sucht schleichend

Erst war dein Partner möglicherweise ein Genuss- und Gelegenheitstrinker. Doch die Anlässe für ein Gläschen hier und da häuften sich. Irgendwann trinkt er regelmäßig.

Es kann Monate oder sogar Jahre dauern, bis du Verdacht schöpfst.

Wenn du diesen Artikel liest, fragst du dich wahrscheinlich, ob dein Freund alkoholkrank ist. Falls sich deine Vermutung bestätigt, kommt dir eine Schlüsselrolle zu.

Denn ja: Du kannst ihm helfen, seine Sucht zu besiegen. Allerdings vermutlich anders, als du dir das jetzt vorstellst.

Dazu kommen wir gleich. Zuerst schauen wir uns die Symptome an, die dir zeigen, dass dein Partner tatsächlich ein Trinker ist.

9 Zeichen, an denen du erkennst, dass dein Freund ein Alkoholproblem hat

Die Menge, die jemand trinkt, ist bei Alkoholismus nicht entscheidend:

  • Vielleicht konsumiert dein Partner jeden Abend eine gewisse Dosis.
  • Oder er kommt täglich sturzbetrunken von der Arbeit nach Hause.
  • Möglicherweise betrinkt er sich einmal die Woche oder am Wochenende.

Bei all diesen Varianten kann eine Suchtproblematik vorliegen.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, wie du Genuss und Sucht unterscheiden kannst. Woran merkst du, dass dein Schatz nicht nur ab und zu einen über den Durst trinkt?

Es gibt bestimmte Anzeichen, die dir verraten, dass dein Freund Alkoholmissbrauch betreibt.

Die sieben wichtigsten haben wir für dich zusammengestellt:

1. Dein Freund ersetzt Lebenssinn und Lebensfreude durch Alkohol

Sieht dein Partner keinen Sinn in seinem Leben? Fehlt ihm die Fähigkeit, ohne Alkohol Spaß zu haben? Möglicherweise argumentiert er, dass er nur mit seiner Droge fröhlich und ausgelassen sein kann.

Bier, Wein und Schnaps heben (vorübergehend) die Stimmung und vertreiben trübsinnige Gedanken. Falls dein Lebensgefährte regelmäßig trinkt, um sich besser zu fühlen, ist das ein Alarmsignal.

Denn Alkohol löst keine Probleme. Er schafft neue.

2. Er kommuniziert rücksichtsloser

Alkoholkonsum verändert die Persönlichkeit. Merkst du, dass dein Freund unter Alkoholeinfluss grober mit dir spricht? Er drückt sich möglicherweise nicht mehr differenziert, sondern überwiegend vulgär aus.

Dass er dich mit seinen Worten verletzt, scheint ihm nicht aufzufallen. Oder es interessiert ihn offenbar nicht.

Häufen sich diese Situationen, liegt vermutlich eine Sucht vor.

3. Er spürt beim Trinken keinen Genuss

Dein Lebensgefährte zeigt ein starkes Verlangen nach alkoholischen Getränken. Mit Genuss hat sein Konsum in deinen Augen nichts mehr zu tun. Er braucht seine Droge.

Möglicherweise will er sogar betrunken sein, so schnell es geht. Trinkt dein Freund gezielt, um sich schnellstmöglich in diesen Zustand zu versetzen? Dann hat er höchstwahrscheinlich ein Alkoholproblem.

4. Dein Partner verträgt große Mengen Alkohol

Der Körper eines Alkoholikers entwickelt eine hohe Toleranzgrenze gegenüber dem Alkohol. Dein Liebster wirkt selbst bei intensivem Alkoholkonsum überraschend nüchtern? Andere loben seine Trinkfestigkeit und staunen, wie viel er wegsteckt?

Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass er bereits ein Alkoholiker ist. Mit der Zeit muss er deutlich mehr trinken, um den gleichen Effekt zu erreichen wie zu Beginn der Sucht.

Darum konsumiert er sichtlich mehr.

5. Er lügt dich an

Möglicherweise erfindet dein Partner Ausreden, warum er keine Zeit mit dir verbringen kann oder später nach Hause kommt. Der Klassiker: Überstunden auf der Arbeit. Statt heimzukommen, geht er in eine Kneipe.

Das kann im Kollegenkreis oder allein geschehen.

Kommt dein Freund oft mit einer deutlichen Fahne oder betrunken zurück? Das ist ein Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit.

6. Dein Lebensgefährte zeigt Entzugserscheinungen

Möglicherweise fällt dir auf, dass dein Partner in alkohollosen Phasen ungewöhnlich reizbar ist oder depressiv wirkt. Er klagt vielleicht über Kopfschmerzen und Übelkeit.

Auch verstärktes Schwitzen, zittrige Hände, Ängste, Halluzinationen und Krämpfe gehören zu den typischen Entzugserscheinungen.

Verschwinden diese Symptome, sobald er etwas Alkoholisches trinkt? Dann ist er alkoholkrank.

7. Er leugnet das Problem

Wenn du deinen Freund mit deinen Beobachtungen konfrontierst, bestreitet er seine Alkoholsucht. Er erklärt dir, dass du falsch liegst. Eine Standard-Reaktion ist: „Ich kann jederzeit aufhören, wenn ich das will.

Es mag sein, dass er das tatsächlich selbst glaubt. Die fehlende Einsicht ist typisch für Alkoholsüchtige.

Eventuell trinkt dein Mann im Anschluss an euer Gespräch vor allem heimlich. Vielleicht will er dir beweisen, dass der Griff zur Flasche für ihn keine Notwendigkeit darstellt. Du siehst ihn also seltener trinken.

Dafür findest du möglicherweise beim Aufräumen versteckte (leere) Flaschen.

übertriebener Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit

8. Dein Mann vernachlässigt seinen Alltag

Zu Beginn seiner Sucht hat dein Partner vermutlich noch alles im Griff. Nach und nach verliert er allerdings die Kontrolle. Die Sucht bestimmt sein Leben. Er ist eventuell nicht mehr in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen.

Hobbys verlieren für ihn an Bedeutung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit vernachlässigt er seine Freunde und Familienangehörige.

Stattdessen lebt er in seiner eigenen Welt. Er zieht sich zurück, trinkt und merkt nicht, wie sehr im alles entgleitet.

9. Alkohol ist für ihn wichtiger als eure Beziehung

Dein Partner versteht deine Sorgen und Ängste nicht. Er behält seinen Umgang mit Alkohol bei. Bier, Schnaps & Co. scheinen für ihn wichtiger zu sein als alles andere.

Er bleibt lieber allein, als Zeit mit dir zu verbringen. Damit vermeidet er einerseits eine für ihn unangenehme Konfrontation und Beziehungsprobleme. Andererseits verschafft ihm das ein Zeitfenster, um seiner Sucht nachzugehen.

Ihr lebt gewissermaßen nebeneinander her.

Wie du mit der Alkoholsucht deines Partners nicht umgehen solltest

Trifft eines dieser neun Anzeichen – oder sogar mehrere – auf deinen Lebenspartner zu? Dann erhärtet sich dein Verdacht.

Wie gehst du am besten mit dieser Situation um?

Die meisten Frauen machen drei Fehler:

  1. Sie zeigen Mitleid und Verständnis. Damit unterstützen sie unbeabsichtigt die Sucht ihres Liebsten.
  2. Sie reagieren mit Verboten und Kontrollen.
  3. Sie machen ihrem Partner Vorwürfe.

Warum Mitleid gefährlich ist

Stress auf der Arbeit, Beziehungsprobleme und familiäre Sorgen und Nöte sind ernstzunehmende Belastungen. Aber das sollte nicht als Entschuldigung für übermäßiges Trinken dienen. Wenn du Mitleid und Verständnis zeigst oder deinen Partner in Schutz nimmst, bestärkst du ihn.

Warum Verbote und Kontrollen nichts bringen

Es bringt ebenfalls nichts, deinem Mann das Trinken zu verbieten. Er findet Wege, sich sein Suchtmittel zu besorgen. Dagegen bist du machtlos. Wenn du ihm den Alkoholkonsum im Haus untersagst, trinkt er woanders.

Die Spirituosen zu vernichten, löst das Problem ebenfalls nicht. Er wird sich im nächsten Laden mit Nachschub eindecken und die Flaschen dieses Mal besser vor dir verstecken.

Davon abgesehen: All das belastet eure Beziehung. Als Lebenspartner solltet ihr euch gleichberechtigt und auf Augenhöhe gegenüberstehen. Das gelingt nicht, wenn du ihm Vorwürfe machst, seine Getränke heimlich wegnimmst oder ihn kontrollierst.

Warum du deinem Liebsten keine Vorwürfe machen solltest

Vorwürfe führen zu Beziehungsstress. Schlimmstenfalls streitet ihr euch und er trinkt aus Frustration sogar noch mehr.

Beziehungsprobleme weil Alkohol wichtiger ist

Eventuell geistern Fragen durch deinen Kopf wie:

  • Warum greift er zur Flasche, wenn ich an seiner Seite bin?
  • Liebt er mich nicht?
  • Wenn er mich genug lieben würde, würde er mit dem Trinken aufhören. Oder?

Mach dir bewusst, dass er krank ist. Er versucht nicht absichtlich, dich zu verletzen. Für einen Süchtigen zählt nur die Sucht. Sie besteht unabhängig von seiner Liebe zu dir.

8 Beziehungstipps zum Umgang mit Suchtkranken

Wir haben – aus eigener Erfahrung – für dich acht Tipps zusammengestellt, die in dieser Situation wirklich helfen. Das Ziel dahinter ist, deinem Freund zu helfen, aus seiner Sucht auszubrechen und sich die Kontrolle über sein Leben zurückzuholen.

Das ist nicht einfach. Aber du kannst ihn dabei unterstützen.

Mach ihm bewusst, dass du zwar seine Sucht ablehnst, ihn aber nach wie vor liebst.

1. Sprich ihn auf sein Suchtverhalten an

Schweigen bedeutet, dulden, was passiert. Sprich deinen Partner behutsam auf sein Verhalten an.

Sende Ich-Botschaften. Verwende Formulierungen wie:

  • Ich mache mir Sorgen. Ich weiß nicht, wie ich mit deinem Trinkverhalten umgehen soll.
  • Ich sehe, dass du regelmäßig trinkst.
  • Ich habe Angst um dich, weil ich sehe, dass du dich kaputtmachst.

Achte dabei darauf, dass du wertungsfrei bleibst und Worte wie „Alkoholiker“ oder „Säufer“ vermeidest. Menschen mit einem Alkoholproblem würden sich eine solche Bezeichnung nicht eingestehen. Eher fühlen sie sich dadurch schnell angegriffen.

2. Versuche nicht, sein Problem zu lösen

Das Suchtproblem hat dein Lebensgefährte, nicht du. Dementsprechend liegt es in seiner Verantwortung, etwas dagegen zu tun. Mach dir bewusst, dass seine Krankheit sein Problem ist.

Bitte ihn, sich professionelle Hilfe zu suchen. Du kannst ihn – wenn er das möchte – dabei unterstützen, eine passende Anlaufstelle zu finden. Die Initiative sollte aber von ihm kommen.

3. Vermeide Auseinandersetzungen, wenn er getrunken hat

Mit einem Betrunkenen lässt sich nicht sachlich oder auf Augenhöhe kommunizieren. Er ist unter Alkoholeinfluss nicht mehr in der Lage, differenziert zu denken oder sich überlegt auszudrücken.

Er kommt betrunken nach Hause? Auch wenn es dir schwerfällt: Verschiebe Gespräche auf nüchterne Phasen.

Vielleicht versucht er, dich zu provozieren oder pöbelt dich an. In diesen Momenten ist er nicht er selbst. Lass es nicht zu einem Beziehungsdrama kommen, sondern zieh dich zurück.

4. Bestehe auf Nüchternheit beim Sex

Dein Partner nähert sich dir sexuell, wenn er betrunken ist? Mache ihm deutlich, dass du nur mit ihm schläfst, wenn er nüchtern ist. In alkoholisiertem Zustand ist er nicht mehr Herr seiner Sinne.

Es vermeidet Schwierigkeiten wie Erniedrigungen und Ekelgefühle (schlechter Atem, Körpergeruch), wenn du dich der Situation entziehst.

5. Schalte bei Übergriffen die Polizei ein

Falls du Angst vor deinem betrunkenen Freund hast, verlass die Wohnung. Verbale Aggressionen musst du dir ebenfalls nicht gefallen lassen.

Sollte dein Partner dir Gewalt androhen oder dir gegenüber sogar gewalttätig werden, ruf die Polizei. Achte darauf, dein Handy regelmäßig zu laden und bei dir zu tragen.

Bitte hab keine Scheu, dir in solchen Situationen Hilfe zu holen.

6. Glaube Versprechungen nicht

Wenn dein Lebensgefährte wieder nüchtern ist, tut ihm sein Verhalten vermutlich leid. Dabei spielt es keine Rolle, ob er „nur“ verbal ausfallend war oder dir gegenüber gewalttätig war.

Vielleicht entschuldigt er sich oder macht dir romantische Geschenke. Möglicherweise verspricht er, dass es nie wieder vorkommen wird.

Es wird wieder vorkommen.

Seine Reue und seine Entschuldigungen sind wahrscheinlich ernst gemeint. Trotzdem ist auf seine Worte kein Verlass. Er kommt aller Wahrscheinlichkeit nach gegen seine Sucht allein nicht an.

Alkoholabhänigkeit selber bekämpfen

Ohne professionelle Hilfe durch einen Therapeuten oder eine angeleitete Selbsthilfegruppe wird sich vermutlich an seinem Trinkverhalten und seinen Entgleisungen nichts ändern.

Die wenigsten schaffen das aus eigener Kraft.

NAKOS ist die „Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen“ und hilft dir bei der Suche nach einer geeigneten Selbsthilfegruppe in deiner Nähe. Der Kontakt zu NAKOS ist auf folgenden Wegen möglich:

Telefon: 030 31 01 89 60
E-Mail: selbsthilfe(at)nakos(dot)de
Webseite: www.nakos.de

Was du tun kannst: Weise ihn auf Unterstützungsmöglichkeiten hin. Sage ihm, dass du zu ihm stehst, wenn er gegen seine Krankheit kämpft.

7. Vermeide leere Drohungen

Wenn du noch einmal trinkst, bin ich weg.“ Das ist eine kraftvolle Aussage, die Eindruck macht. Allerdings solltest du das nur dann zu deinem Partner sagen, wenn du bereit bist, es in die Tat umzusetzen.

Sonst verlierst du seinen Respekt. Eine vorübergehende Trennung muss nicht das Beziehungsende bedeuten. Aber es zeigt deinem Lebensgefährten deutlich, dass es nicht weitergeht wie bisher.

Wie geht ein Mann mit Trennung um? In dieser Situation? Vielleicht macht es ihm bewusst, dass er alles verlieren wird, wenn er sich keine Hilfe holt. Er steht vor der Entscheidung, was ihm im Leben wichtiger ist: Du oder die Trinkerei.

Hat sein Verhalten keinerlei Konsequenzen, fühlt er sich nicht aufgefordert, etwas zu verändern.

8. Hol dir Hilfe

Im Moment ist deine Beziehung, vielleicht sogar deine bisherige Existenz in Gefahr. Die emotionale Belastung ist groß. Sprich dich bei Freundinnen und Freunden aus.

Es kann dir helfen, dich selbst an einen Suchtprofi zu wenden. Falls dein Partner von sich aus eine Therapie beginnt, bezieht dich sein Therapeut möglicherweise in die Behandlung mit ein. Bei beziehungsrelevanten Problemen und Beziehungskrisen ist das sinnvoll.

Der Außenblick hilft häufig, das Geschehen richtig einzuordnen und zu verarbeiten.

Fazit

Alkoholismus ist eine behandlungsbedürftige Krankheit. Neben einer körperlichen Entgiftung braucht dein Lebensgefährte therapeutische Unterstützung, um sein Leben ohne Suchtmittel zu meistern.

Mach deinem Partner bewusst, dass seine Sucht sein Problem ist. Nur er kann daran etwas ändern. Sage ihm, dass du ihn unterstützt und an seiner Seite bleibst. Unter einer Voraussetzung: Er holt sich professionelle Hilfe.

Andernfalls bleibt dir irgendwann vermutlich keine andere Wahl, als dich von ihm zu trennen. Aus eigener Kraft schaffen es die wenigsten Menschen, sich von ihrer Sucht zu befreien.

Ein Süchtiger erkennt häufig erst, dass er etwas verändern muss, wenn er alles zu verlieren droht. Das kann ihn wachrütteln. Mit einer entsprechenden Unterstützung kann er es schaffen, vom Alkohol loszukommen.

Wir hoffen, dass dir dieser Artikel hilft, mit der Sucht deines Partners umzugehen. Weitere kompetente, kostenlose und anonyme Beratung findest du bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

 

 

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